Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
Teilen Deutschlands lassen es die Arbeiter meistens ‚gar nicht 
so weit kommen; sie heiraten die Mutter schon, sobald das 
Kind unterwegs ist178, Im ganzen ist in Deutschland der Be- 
standteil der Unehelichen, der durch die Legitimation der 
weiteren Beobachtung und Verfolgung entzogen wird, an- 
nähernd so groß wie die Restgruppe der Unehelichen179. 
Übrigens: von den ganz großen Städten abgesehen, ‚werden in 
den agrarischen Distrikten mehr uneheliche Kinder geboren 
als in den industriereichen. So weisen in Deutschland das 
Rheinland und Westfalen relativ wenig uneheliche Geburten 
auf. Spann hat in seiner gründlichen Untersuchung für Frank- 
furt am Main nachgewiesen, daß die Vaterschaftsanerken- 
nungen am relativ häufigsten bei den Kindern der Arbeiterinnen, 
Haushälterinnen und Berufslosen sind. Spann weist dabei.nach, 
daß der Prozentsatz der Vaterschaftsanerkennungen um so ge- 
ringer ist, je höher die soziale Schicht der Mutter rangiert. 
Die Gefahr einer Degeneration infolge seelischer Leiden der 
Mutter in der Schwangerschaft wird somit für .die Früchte 
des illegitimen Geschlechtsverkehrs in letzterem Falle ent- 
schieden größer sein, während die eigentlichen proletarischen 
Sprößlinge unter den Unehelichen häufig eine urwüchsige 
per subsequens matrimonium legitimiert worden sein. (Roscher, Grund- 
lagen der Nationalökonomie, S. 468.) — In Arnoldshain im Taunus sind 
z. B. von den 145 von 1818 bis Oktober 1874 unehelich Geborenen 52, 
also gut der dritte Teil, durch nachfolgende Ehe legitimiert worden. (Gott- 
lieb Schnapper-Arndt, Fünf Dorfgemeinden auf dem Hohen Taunus. 
Eine sozijalstatistische Untersuchung über Kleinbauerntum, Hausindustrie und 
Volksleben, Leipzig 1883, Duncker, S. 159.) 
8 Vgl. S, 30 unserer Abhandlung. — Vielfache Beobachtungen be- 
stätigen, daß sich die Fabrikarbeiter relativ selten der Pflicht der Ver- 
heiratung mit der schwangeren Geliebten entziehen, (Lily Braun, Die 
Frauenfrage, ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite, 
Leipzig 1901, Hirzel, S, 308.) 
179 Kasten, S. 40.
	        
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