Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
Freunde einer neomalthusianischen Behandlung der Be- 
völkerungsfrage halten übrigens dafür, daß ihre Methode zwar 
die Zahl der Kinder beschränken, die der Ehen aber vermehren 
werde, da im Falle der Anerkennung des Neomalthusianismus 
die Ängstlichen oder ökonomisch Schwachen, aber Verant- 
worlungsreichen, nicht mehr unter dem Drucke des Zeugungs- 
zwanges oder der Bezeugungen der Mißbilligung seitens der 
öffentlichen Meinung stehen und folglich sich leichter zur Ehe 
entschließen würden185, Was heute bei überhandnehmender 
Billigung der Präventivmaßregeln in manchen Staaten. tatsäch- 
lich der Fall ist. Denn man darf wohl sagen, daß im Verlaufe 
unter neomalthusianischen Voraussetzungen geschlossener Ehen 
manche Liebe zum Kinde erwacht und in ihnen überdies 
manche ungewollte Überraschung eintritt. So daß, so paradox 
es klingen mag, bis zu einem gewissen Grade die These auf- 
gestellt werden darf, daß der Neomalthusianismus als Stifter 
sonst nicht zustande kommender Ehen endlich indirekt sogar 
zu einer Erhöhung der ehelichen Geburtenzahlen führt oder 
doch führen kann. Im übrigen haben die Neomalthusianer 
häufig das eheliche und uneheliche Geburtenproblem unter 
annähernd gleichen Gesichtspunkten behandelt 186. 
Eine Frage erscheint uns aber auch bei diesem Problem der 
Ehen (Stuttgart 1917, Enke) angestellten Enquete gelangt der Verfasser 
zu dem Resultat, daß der Präventivverkehr ein allerelementarstes mensch- 
liches Recht sei, 
165 G. Roberto Fantini, Considerazioni intorno al problema sessuale, 
Modena 1911, Formiggini, p. 19; Norman Haire, Hymen or the future 
of marriage, London 1927, Kegan Paul, Trench, Trubner and Co., p- 86. 
186 In dem ersten wissenschaftlichen Werk des Neomalthusianismus, dem 
Buche von Joseph Garnier (Professor an der Ecole des Ponts et 
Chausstes in Paris), „Du Principe de Population“ (Paris 1857, Garnier, 
350 Seiten) ist seltsamerweise von einer Scheidung zwischen ehelichen und 
unehelichen Geburten überhaupt nicht die Rede.
	        
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