Sexualkriminalistik.
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denen den Männern während der Schwangerschaft wie bei den
sehr langen Perioden der Stillung ihrer Weiber jeder Umgang
mit ihnen verboten ist.
Das sehr ernste Problem des weiblichen Geschlechtsreservates
hat freilich auch noch einige andere Seiten. Eine derselben
liegt in der bei den einen durch ihre Physis bedingten, bei den
anderen in der durch falsche Traditionen und mangelhaftes
Bekenntnis zur Schönheit des Sinnenlebens und des mensch-
lichen Körpers hervorgerufenen geschlechtlichen Frigidität des
(ehelichen) Weibes, welcher von vielen Ärzten die Hauptschuld
am außerehelichen Liebesleben des Mannes gegeben wird 2,
Im einzelnen berichtet darüber in richtiger Grundstimmung
ein zielbewußter Antifeminist: „Ziemlich bekannt ist die Tat-
sache, daß scheinbar geringfügige Störungen, Angstzustände
oder das Gefühl der Unsicherheit genügen, um selbst bei sonst
nervenstarken, gesunden und warmen Frauen die volle erotische
Entladung zu verzögern oder gar zu verhindern. Man kann
daher verstehen, daß die heutige feministische Richtung an
sich schon geeignet ist, die bereits vorhandene große Zahl
weißer Frauen, die aus anderen, mehr physischen Ursachen
erotisch impotent sind, noch weiter zu erhöhen. Lehnt doch
der Feminismus die psychische Unterwerfung, Hingabe und
Selbstauslöschung der Frau im Willen des Mannes ab, obwohl
dies gerade eine der wichtigsien Bedingungen für die Er-
reichung höchsten Glückempfindens ist %1 "
230 Vgl. spezifisch hinsichtlich der deutschen Frauen Robert Hessen,
Die Prostitution in Deutschland, München 1910, Langen, S. 48f£.; Robert
Michels, Grenzen der Geschlechtsmoral, S. 155; Oskar Pfister, Die
Liebe vor der Ehe und ihre Fehlentwicklungen. Tiefenpsychologische Unter-
suchungen im Reiche des Eros, Bern u. Leipzig 1925, Bircher, S. 197. — Für
die gleiche Erscheinung bei den amerikanischen Frauen vgl. Lucie Saint-
Elme, A läge mouille, 1. 6, p. 738. — Als Gefahr ist die weibliche Ge-
schlechtsanästhesie schon angegeben bei Diderot, Sur les Femmes, in
Oeurvres, }. c., p. 252.
231 Wieth-Knudsen, S. 92.