Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
wollen. Gegen ein solches Vorhaben spricht in erster Linie 
schon die Untauglichkeit der Mittel: erstens die Ungenauigkeit 
der offiziellen (administrativen) Unzuchtsstatistiken; zweitens 
die Unmöglichkeit eines statistisch verwendbaren Kriteriums 
der Prostitution. 
Anbei einige willkürlich herausgegriffene Zahlen, wie sie 
uns die Spezialisten übermitteln: 
In Breslau entfielen in den Jahren ı1866—1882 auf je 
tausend Einwohner etwa fünf polizeilich eingetragene Dirnen 
(1866: 4,34; 1882: 5,42)27, In Paris wurden deren 1812: 
2,1, 1835: 4,3, 1880: 1,6 festgestellt238, 
Für Berlin wurde nicht allzulang vor dem Weltkrieg die 
Gesamtzahl der gewerbsmäßigen Prostituierten auf 20000 ge- 
schätzt, so daß „jede fünfundzwanzigste reife Berlinerin (ein- 
schließlich der Vororte) für eine Vielheit von Männern käuf- 
lich wäre‘ 239, 
Solche Ziffern sagen natürlich sehr wenig oder gar nichts 
aus. Wenn auch das Ideal der Polizei darin besteht, alle Dirnen 
zu registrieren, so wird dieses Ideal doch niemals erreicht. 
Die Zahl der filles insoumises (geheime Prostitution) dürfte 
(in Paris) stets um das Zehn- bis Zwanzigfache größer als 
die der filles soumises sein, von der sogenannten Gelegenheits- 
prostitution ganz zu schweigen 240. In den drei Städten Stuttgart, 
237 Kuno Frankenstein, Die Lage der Arbeiterinnen in den deut- 
schen Großstädten, in Schmollers Jahrbüchern XII (1888), S. 185. 
28 Yyes-Guyot, La Prostitution. Paris 1882, Charpentier, p. 324. 
130 Hessen, S. 27/28. 
240 In Paris wurde die Zahl der femmes en carte im Jahre 1888 auf 
30000 berechnet; nicht weniger als 17000 Prostituierte wurden im gleichen 
Jahre in das Frauengefängnis von Saint-Lazare eingeliefert (wobei freilich 
voraussichtlich wiederholte Arretierungen der gleichen Person mitgezählt 
waren). Die Gelegenheitsprostitution wurde auf das Vierfache, d. h. auf 
120 000 geschätzt. (M. d’A., Cinquante annees de visites & Saint-Lazare, 
Paris 1889, Fischbacher, P- 297.) — An ähnlichen Schwierigkeiten sind 
seit jeher alle Versuche einwandfreier zahlenmäßiger Feststellung der Pro-
	        
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