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folgen, war mein Vater fast versucht, zu glauben, ich
wäre lieblos.
Er fragte mich, was ich studieren wollte.
„Das größte, umfassendste Studium der Welt," ent-
gegnete ich, „das Studium, das am engsten mit den
heiligsten Interessen der Menschheit verknüpft ist: das
Studium der Geschichte."
Mein Vater fragte mich, wovon ich leben wollte, da
ich in Preußen kein Amt, keinen Lehrstuhl erhalten
könnte und mich doch nicht von meinen Eltern trennen
wollte. O mein Gott, wenn das zu vermeiden wäre!
Doch antwortete ich nur, ich würde mich überall zu er
nähren wissen.
Mein Vater fragte mich, warum ich nicht Medizin
oder Jura studieren wollte.
„Der Arzt wie der Advokat," entgegnete ich, „sind
Kaufleute, die mit ihrem Wissen Handel treiben. Oft
auch der Gelehrte. Ich sehe es an Hander, der im eigent
lichen Sinne des Wortes Kaufmann ist." Ich wollte
studieren der Sache, des Wirkens wegen.
Mein Vater fragte, ob ich glaubte, daß ich ein
Dichter sei.
„Nein," antwortete ich, „aber ich will mich der publi
zistischen Sache widmen. Jetzt," sagte ich, „jetzt ist die
Zeit, in der man um die heiligsten Zwecke der Mensch
heit kämpft. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts
war die Welt in Ketten dumpfen Aberglaubens gehalten.
Da erhob sich, durch die Macht der Geister angeregt,
eine materielle Gewalt, die blutig das Bestehende in
Trümmer stürzte. Der erste Ausbruch war schrecklich und