Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
heute, wo vielerorts durch Krieg und Revolution ein gänzlich 
verändertes Bild der Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse ge- 
geben ist28®, Auf diese Weise sind dann die entsprechenden 
Ziffern zu werten, wie z. B. die über die Verminderung der 
venerischen Krankheiten in Turin (1914: 4689; 1917: 7330; 
924: 2004 Behandelte) 290, 
7. Mischehen. 
Auch die Gradstärke des Vorhandenseins von Mischehen ist 
von besonders verstiegenen Moralstatistikern als Anzeichen einer 
Verfehlerbevölkerung betrachtet worden. Dabei vermag der Be- 
griff der Mischehe sehr verschiedenartig gefaßt zu werden. 
Unter konfessionellen Gesichtspunkten liegt Mischehe vor, 
wenn die beiden Eheleute verschiedenen Konfessionen ange- 
hören. In Ehen zwischen Katholiken und Protestanten betrug 
in Preußen 1911 bis 1913 die durchschnittliche Kinderzahl 
2,08, während rein evangelische Ehen 3,02, und rein katho- 
lische Ehen 4,79 Kinder durchschnittlich aufwiesen. In Bayern 
entfielen auf jede Mischehe 2,30 Kinder, auf jede rein prote- 
stantische Ehe 3,19 und auf jede rein katholische Ehe 4,19 2%. 
Dies eigentümliche Faktum zeigt, daß kirchliche Gesichtspunkte 
allerdings für die Kinderzahl in Betracht kommen. Dazu 
schreibt ein protestantischer Theologe erklärend: „Es wird näm- 
lich die geringere Zahl sich aus den Schwierigkeiten wegen der 
Konfession der Kinder in den Mischehen begreifen. Der starke 
Niedergang, dem diese Zahl unterliegt. wird sich daraus er- 
29 Edmund Hofmann und L. Schreiber, Zur Frage der Geschlechts- 
krankenbewegung, im Archiv für Soziale Hygiene und Demographie. Bd, ı, 
Heft 3, Februar 1916, S. 186. 
20 Girolamo Piccardi, Quanti sono gli ammalati venerei in Italia? 
in L’Igiene e la Vita, IX, Nr. 9, p. 336. (Torino 1926.) 
221 H. A. Krose, Die Konfession in der Statistik der Bevölkerungs- 
bewegung in Deutschland, im Allgemeinen Statistischen Archiv, 16. Bd., 
Jena 1927, S. 59,
	        
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