Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Mischehen. 
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der Jüdin. Selbst Sombart hält dafür, daß Blutmischungen wie 
die zwischen Germanen und Semiten „scheinbar von Natur dis- 
äquilibrierte Menschen‘ erzeugen ®. 
Indes der Gipfel der durch die Mischehe entstehenden Ver- 
fehlung wird in der Anschauungswelt des Angelsachsen und 
zumal des Nordamerikaners, welchem die strengste Aufrecht- 
erhaltung der colour line als Norm dient, durch die Verbindung 
von Weißen und Schwarzen erreicht. Für den Amerikaner ist 
die eheliche Blutmischung mit einer Negerin, selbst mit der 
Zwölftels-Nachkommin eines Negers, ein unaussprechliches 
Verbrechen an der Rasse. Zur Entschuldigung desselben gilt 
weder Liebe noch Ehrbewußtsein. 
Das bürgerliche Gesetzbuch in Virginia bezeichnete die Ehe 
eines Weißen mit einer Schwarzen vor dem amerikanischen Se- 
zessionskrieg, als „an abuse for the dishonour of God and a 
shame of Christians‘ und belegte sie mit der Todesstrafe 2%, 
Noch heute stößt eine Verehelichung mit einer Negerin oder 
einem Neger in den meisten Staaten der Union auf unüber- 
brückbare Schwierigkeiten. Wo es dazu kommt, handelt es sich 
stets um die niedrigste Klasse der Weißen (die sogen. poor 
whites) 297, 
In der Zeit der Sklavenwirtschaft wurde freilich von den 
englischen Kolonisten das Konkubinat mit einer Negerin anders 
gewertet. Die Negerinnen waren den weißen Herren schutzlos 
preisgegeben. Da sie keinen Gerichtsstand und keinen Zivilstand 
206 Vgl. seine Exemplifizierung in: Werner Sombart, Der Proletarische 
Sozialismus, Jena 1924, Fischer, Bd. ı, S. 76. 
296 John Russell, The Free Negro in Virginia (1619—1865). Baltimore 
1913, Hopkins Un. Preß, p. 123. 
297 In Philadelphia gab es 1890 etwa 40000 Neger. Im Seventh Ward 
der Stadt befanden sich 8861 Neger. Von diesen hatten 4 Frauen und 
29 Männer Weiße geheiratet. Von den 29 weißen Frauen der Neger waren 
1r Amerikanerinnen und ı5 Ausländerinnen; 7 waren Prostituierte. (W. S. 
Burghardt Du Bois, The Philadelphia Negro. Publication of the Uni- 
versity of Pennsvlvania, Philadelphia 1899, Ginn, 358—365.)
	        
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