Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Mischehen. 
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Südamerikaner folgt, welche, Menschliches menschlich be- 
handelnd, die buntgemischten Nachkommen mehr oder weniger 
als Ihresgleichen betrachten, sondern sie in den tiefen Abgrund 
moralischer und gesellschaftlicher Ächtung hinunterstößt 302, 
Jedwede Art dauernder Liebesverhältnisse von Weißen mit 
Farbigen charakterisiert sich dem modernen Amerikaner aus 
fast allen Gesellschaftskreisen als verwerfliches Zeichen sitt- 
licher Schwäche und Haltlosigkeit, als Mangel an moral 
restraint, als schwerster, nicht wieder gutzumachender Er- 
ziehungsfehler. Geht dabei die Zuneigung von einem schwarzen 
Mädchen aus, so riskiert die Ärmste, die zwar wohl von dem 
Weißen heimlich empfangen wird, daß es dann in der weißen 
Presse von ihr heißt, die Negermädchen seien immer noch von 
ihren animalischen Instinkten besessen (was dann gegen die 
faktische Emanzipation der Neger ausgenutzt wird)%°®, Ent- 
zündet sich aber die Liebe eines Schwarzen zu einem weißen 
Mädchen, so riskiert der Unglückselige ohne weiteres, auch wenn 
302 Vgl. auch meine Wirtschaft und Rasse, im Grundriß der Sozial- 
ökonomik, Bd. IT, ı, 2. Aufl. Tübingen 1922, Laupp, S. 163, 183. 
8038 Daß die Geschlechtsmoralität der Negerinnen zunimmt, wird von den 
modernen amerikanischen Gesellschaftskritikern unumwunden zugegeben. 
(Vgl. Calhoun, vol. III, p. 39, 291; Jerome Dowd: The Negro in 
American Life. New York 1926. Century Co., p. or.) Freilich ist die 
Quote der Unehelichkeit bei den Negermädchen heute noch etwa ı0- bis 
ı5mal größer als bei den weißen Amerikanerinnen. Die Negerinnen sind 
aber wohl etwa achtmal ärmer. (Vgl. genauere Ziffern bei Frederick 
William Roman, La place de la sociologie dans l’6ducation aux Etats-Unis, 
Paris 1923, Giard, p- 124.) 
Wie eingewurzelt das Vorurteil gegenüber der unsittlichen Lebensführung 
der Neger bei den weißen Amerikanern selbst im Mittelwest (Chicago) ist, 
dafür zeugt eine Antwort auf die Enquete: The Negro of Chicago. A 
study of race relations at a race riot, report by the Chicago Commission 
on Race Relation, Chicago 1922. University of Chicago Press (p. 457): „I 
observe hostile attitude (toward the negroes), but (have) no contacts. 
(Speaking of his negro neighbours:) I guess, they are pretty wild, but 
I have never seen them. It’s just what people tell me. I never had any 
dealing with them“. 
Michels, Sittlichkeit in Ziffern.
	        
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