Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil, 
dings nicht zu verwundern ist, weil gerade dort die protestan- 
tische Bevölkerung sozial und ökonomisch hoch steht*, Aus 
demselben Grunde sind ebenfalls die niedrigen unehelichen Ge- 
burten bei den Juden zu erklären®., Im katholischen Irland ver- 
hielt sich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das Verhältnis 
der unehelichen zu den ehelichen Geburten wie ı zu 16,47; im 
protestantischen Ulster dagegen nur wie ı zu 7,26% Wie auch 
noch die Ziffern des ländlichen Bayern zeigen, gibt mithin die 
Katholizität allein keine Gewähr für die Geringfügigkeit der 
unehelichen Geburtenziffern. Die Moralstatistik rührt also nicht 
an das metaphysische Rätsel der menschlichen Freiheit und löst 
es folglich als außerhalb ihres Bereiches liegend auch nicht. 
Sie dient, wie es Knapp so schön gesagt hat, der Philosophie 
trotzdem, aber nur insofern, als sie „das Interesse an den 
Fragen, die den Menschen nicht verlassen, wie sehr er sich auch 
von ihnen abwenden mag, in die Kreise der verzweifelten Rea- 
listen‘ hineinträgt?. 
Beiläufig möchten wir noch des religiösen Zwistes Er- 
wähnung tun. Denn es konnte angesichts der Erbitterung der 
religiösen Kämpfe natürlich nicht ausbleiben, daß Protestanten 
und Katholiken, Freie und Fromme sich die Existenz des 
geschlechtlichen Elends gegenseitig vorwarfen. Der katholische 
Vorwurf bestand vor allen Dingen darin, daß die Protestanten, 
wie das englische Beispiel zeige, nicht imstande seien, durch 
entsprechende Wohlfahrtseinrichtungen dem Elend und der 
4 Mathieu Schwann, Geschichte der Kölner Handelskammer, Köln 
1906, Neubner, S. 26ff., 37ff., 41—49, 354—359; vgl. auch Jules 
Huret, Rhin et Westphalie, Paris 190%, Charpentier, p. 149. 
5 Lexis, S. 786. 
6 Nach John Forbes, Memorandum made in Ireland in 1852, zitiert 
bei Prosper Baron de Haulleville, L’Avenir des Peuples Catholiques, 
Turin 1877, Romano, p. 233. 
7 Knapp, S. 249.
	        
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