Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil, 
getrennt lebten. Mit Recht ist auch er deshalb zu der These 
gekommen, daß in der Verwaisung junger Mädchen und in der 
Entfernung und Entfremdung derselben von der Familie eine 
sehr bedeutsame Ursache der Unehelichkeit erblickt werden 
muß1!, In der Zentrale der Konfektion in Italien, Turin, hat 
eine 1911 angestellte Enquete ergeben, daß im Gegensatz zu 
den Fabrikationsarbeiterinnen gerade die Schneiderinnen und 
Näherinnen zu einem erheblichen Teil lediglich auf ihren 
eigenen Verdienst angewiesen sind und vom Elternhause nichts 
zu erwarten haben; ein Viertel von ihnen sind Waisen1?, Und 
zerade die Schneiderinnen und Nähmädchen in Turin stehen 
bekanntlich wenigstens den feineren Formen der Prostitution 
sehr nahe. 
Eine andere, nicht minder wichtige Ursache für die Ver- 
liederlichung beim jungen Mädchen liegt oft darin, daß es selbst 
schon uneheliches Kind ist. Vielleicht nicht einmal so sehr 
wegen seiner Eigenschaft als Uneheliche, als wegen der hier- 
durch ebenfalls für das Mädchen eintretenden größeren Isolie- 
rung 1%, Das Problem der Vereinsamung der unehelichen Kinder 
wird auch durch die spätere Verehelichung der Mutter häufig 
gar nicht oder doch nur vorübergehend gehoben. Nur dem mit 
den Tatsachenreihen des sozialen Lebens Unbekannten dürfte es 
verblüffend erscheinen, daß sich die übergroße Mehrzahl der un- 
ehelichen Mütter bei ihrer Verheiratung nicht den Vater ihres 
natürlichen Kindes, sondern einen anderen zum Ehemann nimmt 
oder wenigstens als solchen erhält1®% Für seine Untersuchungs- 
12 Spann, Lage und Schicksal, S. 8/9; Schröder,S. 35. 
12 Effren Magrini e Giovanni-Battista Allaria, L’Industria 
della Sartoria per Signora e le Condizioni Sanitarie delle Operaie in Torino, 
Roma 1gır, Boll. dell’ Ispettorato del Lavoro, p. 171. 
12a Vgl. S, 86 unseres Buches. 
18 Die Ursachen hiefür liegen zumal in dem bei der unehelichen Geburt 
seitens des Mädchens und dessen Verwandten meistens ausgeübten Drucke 
auf den Schwängerer, sich zur Vaterschaft zu bekennen und zu heiraten,
	        
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