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Vierter Teil.
girls here and send them out to bad houses abroad3®. Gegen
die Ausländerinnen unter den Prostituierten und die ausländi-
schen Kunden der Prostitution sind auch in Paris Stimmen laut
geworden 40, In den französischen Kolonien ist das Vorkommen
weißer Dirnen außerordentlich selten. Schon der Rassenstolz
verhindert, selbst bei den Elendesten unter den Französinnen,
die Prostituierung. Wenn sie indes zu Fall kommen, scheinen
sie mehr bergab zu gleiten als die Negerdirnen 41,
Die Ursache für die der fremden Dirne gegenüber der ein-
heimischen zugeschriebene größere und raffiniertere Unzucht
liegt wohl zum Teil im Mädchenhandel. In Amerika z. B. ist
die ausländische „weiße Sklavin‘, meist Französin oder Ost-
Jüdin, häufig Deutsche und Belgierin, bisweilen Italienerin,
völlig in der Hand ihres Managers, dem sie als der Landessitten
und Landessprache Unkundige völlig ausgeliefert ist. Um ihr
Sklaventum zu vollenden, entzieht ihr der Manager häufig selbst
die Straßenkleider. Sie kann nicht ausgehen1?f. Was Wunder,
daß sie tiefer sinkt als die Einheimische, die sich verteidigen
kann.
Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die fremde
Prostitution der einheimischen desselben Landes gegenüber
häufig umgekehrt auf der höheren Stufe steht. Parent-Ducha-
telet macht darauf aufmerksam, daß während die niederen
Schichten der Prostitution in Brüssel sich ausschließlich aus
Belgierinnen rekrutieren, die oberen aus Ausländerinnen, zumal
französischen und deutschen Mädchen bestehen43. So war z. B.
39 Mrs. Ruspini, Foreign Girls in London, in den Verhandlungen
des Internationalen Kongresses für Frauenwerke usw.. 1. c., S. 370.
% Talmeyr, S. 231.
*1 Corre, Nos Cröoles, p. 192.
*% Henry Pratt Fairchild, Immigration. A World Movement and its
American Significance, New York 1913, Macmillan, p. 335.
45 Parent-Duchatelet, vol. II, pP: 795. — Über die nationale Ana-
'vse der Prostitution in Algier s. Parent-Duchatelet, vol. II, p. 5464.