Krieg und Nachkriegszeit.
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wurden, und zwar, soweit wir sehen können, ziemlich unter-
schiedslos in allen Heeren%3. Berüchtigt waren die Genter
Liebestempel der deutschen Etappe, „vor deren niedrigen Türen
sich die liebesdürstigen Feldgrauen in langen Polonaisen war-
tend aufstellten, wie ihre Mütter, Schwestern, Bräute und Frauen
zu Hause vor den Lebensmittelläden‘“ 64.
Als Folgeerscheinung des wüsten Geschlechtslebens der
Truppen im Kriege erklärt sich das lawinenartige Auftreten
und Sich-Verbreiten ‘der Geschlechtskrankheiten in diesen
Perioden zur Genüge. Im Krieg 1870/71 gab es im deutschen
Heere nicht weniger als 33583, das heißt nicht weniger als
ein ganzes Armeekorps, venerisch Kranke allein unter den in
den Lazaretten Behandelten 5, Die Engländer zählten im Welt-
krieg 1917 in ihren in Frankreich kämpfenden Heeren
71 000 Fälle von Gonorrhöe,
21000 „ =» Syphilis,
6000 „ „ weichem Schanker,
38 000 Fälle ®6.
Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten während der
Feldzüge des Weltkrieges wurde auf folgende vier Weisen zu
erreichen versucht:
ı. Bestrafung im Falle der Verheimlichung.
2. Teilweiser Verpflegungszwang auf Selbstkosten im Falle
der nötig werdenden Einbringung ins Krankenhaus.
63 Achille Loria, Aspetti sociali ed economici della guerra mondiale,
Milano 1921, Vallardi, p. 429; Roberto Michels, Cenni sulle Migrazioni
e sul Movimento di Popolazione durante la Guerra europea, in der Riforma
Sociale, Gennaio-Febbraio 1917, p. 50; Michels, Psicologia sessuale, di
guerra, in der Rassegna di Studi Sessuali, Roma, Anno II, Settembre-
Öttobre 1922, p- 265.
6 Heinrich Wandt, Etappe Gent, 2. Aufl., Berlin-Wien 1926, Apis,
S. 142; Über belgische Edelfrauen, S. 151 ff.
65 Neisser, S. ı2ff.
66€ Burke, S. 305.