Theoretische Vorfragen.
Gesetzmäßigkeit der scheinbar willkürlichen Handlungen so ge-
schildert, als wenn in unseren Staaten, wie es früher zur Leistung
von. Kriegsdiensten der Fall war, jährlich eine gegebene Anzahl
von Leuten ausgelost würde, um Ehen zu schließen oder Ver-
brechen zu begehen. Mit solcher Regelmäßigkeit und „folglich“
so unabhängig vom Willen vollziehe sich alles. Die Beobach-
tungen Quetelets waren freilich ganz frappierend. Um so mehr,
als sie selbst die Regelmäßigkeiten ganz absonderlicher Serien
nachwiesen. Zumal die sekundäre Wahrscheinlichkeitsrechnung
erwies sich als konstant. So schwankt das Verhältnis der Zahl
der Heiraten zwischen Junggesellen und Jungfrauen zu dem
der Gesamtzahl der Heiraten weniger als die allgemeine jähr-
liche Heiratsziffer; das Verhältnis der Beteiligung der Frauen
am Selbstmord ändert sich weniger als die relative Häufigkeit
des Selbstmordes überhaupt, und dasselbe gilt auch hinsichtlich
der Wahrscheinlichkeit der Auswahl einer bestimmten Art des
Selbstmordes?. Und auf noch ein eigenartiges Beispiel Quetelets
möge verwiesen werden: die in der Statistik über Zeitläufte hin-
weg erscheinenden annähernd gleichen Zahlen von Ehen junger
Leute von 30 Jahren mit Frauen über 60. Dabei hätten doch
gerade solche Fälle den Beweis für die Existenz eines freien
Willens erbringen müssen. Le jeune homme 6tait mieux qu’aucun
autre en position de raisonner, et d’exercer son libre arbitre dans
toute sa plenitude. Und dennoch: il est venu payer son tribul
a cet autre budget avec plus de regularit& que celui qu'on paie
au trösor de l’Etat®. Ähnliches 1äßt sich auch bezüglich der uns
hier besonders interessierenden Frage der unehelichen Ge-
burten wiederholen. Man hat die unehelichen Kinder les
anfants du hasard (Kinder des Zufalls) nennen wollen, ein
T Lexis, 1. c., S. 789.
5 Qu6telet, De linfluence du libre arbitre de l’homme sur les faits
;oclaux, et particulierement sur le nombre des mariages, im ‚Bulletin de la
Commission centrale de statistique, vol. III, 1847, p. 443.