Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Krieg und Nachkrieg. 
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hin durch den Krieg zweifellos erhöht. Die späteren Ehe- 
scheidungen, die aus solchen. Anlässen herrühren, kommen 
natürlich zahlenmäßig nicht dagegen auf. 
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Die Analyse der Einwirkung des Friedensschlusses nach 
Kriegsperioden auf die geschlechtlichen Sitten wäre ein Gegen- 
stand hohen wissenschaftlichen Interesses. Hier können wir nur 
sagen, daß sie sich erfahrungsgemäß sehr verschiedenartig 
gestaltete. Nach Ablauf der napoleonischen Feldzüge setzte in 
Frankreich eine Periode sexueller Entspannung ein. Oder, wie 
sich ein Bourgeois de Paris ausdrückte: La chance quotidienne 
d’&tre emport6 par un boulet de canon ne pouvait plus servir 
d’excuse ä une vie dereglee, a tous les delices de la debauche8%, 
Daher war z. B. die auf die napoleonischen Kriege folgenüe 
Epoche in Frankreich durch eine starke Tendenz zu ge- 
schlechtlicher Reserve und Keuschheit gekennzeichnet. Der 
amerikanische Schriftsteller Washington Irving berichtet 
1825 aus Paris: It is only old Frenchmen, now-a-days, that 
are gay and trivial; the young are very serious personages®, 
Das gleiche vermag freilich von der Nachzeit des Weltkrieges 
nicht gesagt zu werden. Hier wurden, zumal in den Zentral- 
mächten, die angeführten Tendenzen zur Besinnung durch 
Gegentendenzen über den Haufen geworfen. Die Nachkriegs- 
zeit nach 1918 hieß für Deutschland Revolution, während die 
Nachkriegszeit nach 1815 für Frankreich Restauration ge- 
heißen hatte. Eine in den Sitten nicht genügend vorbereitete 
Revolution ist aber zügelloser Erotik ebenso günstig, wie ein 
Zurückgreifen auf alte Traditionen, insbesondere wenn es ohne 
blutige Auseinandersetzung im Volkskörper selbst erfolgt, un- 
9% L. V6ron, Mömoires d’un Bourgeois de Paris, Paris 1853, Gonet, 
vol. I, p. 226. 
85 Washington Irving, Sketches in Paris in 1825, in Chronicles of 
Welfert's Roost and other Papers, Leipzig 1855, Tauchnitz, p. 216. 
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