Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil,

denkbar größte, mit dem Staatsinteresse einigermaßen vereinbare
 Elastizität zu belassen 107,
Eine den russischen Wegen entgegengesetzte Richtung schlägt
der italienische Strafgesetz-Revisionsentwurf ein, laut welchem

1207 In Rußland sind die Ehe wie die Ehescheidung aufs äußerste erleichtert
worden. Immerhin nicht in dem Maße, als es die antibolschewistische Presse
erscheinen lassen möchte, zumal die Absichten der Regierung nicht unwidersprochen
 bleiben. Bei Beratung des Entwurfs eines neuen Ehegesetzes
1925, das von Krylenko und Brandenburgski dem Ausführenden Ausschuß
der Sowjetunion vorgelegt wurde, kam es unter den Kommunisten zu scharfen
Auseinandersetzungen über dieses Thema, die dazu führten, daß zum erstenmal
 seit Bestehen der Sowjetregierung ein von oben eingereichter Gesetzesvorschlag
 abgelehnt wurde, Die Freiheit des Geschlechtsverkehrs sollte nach
dem Entwurf noch bis zu einem Grade erweitert werden, daß jeder Unterschied
 zwischen zufälligem Zusammenwohnen und Ehe in Wegfall gekommen
wäre, Die staatliche Notiznahme durch Registrierung sollte nur noch auf
besonderen Wunsch der Betreffenden (fakultativ) geschehen. ‚Es sollte der
neue Begriff der ‚faktischen Ehe‘ eingeführt werden, die als ganz formloser
 Geschlechtsverkehr verläuft. Die Verantwortlichkeit für den Nachwuchs
 und die Bindung der Ehegatten untereinander sollte in jedem Falle
gleich sein. Denn auch zur ‚Scheidung‘ dieser ‚faktischen Ehen‘ bedarf
es künftig überhaupt keiner Formalität mehr, und selbst die registrierten
Ehen, die bisher nur mit Einverständnis beider Gatten oder bei. Schuld des
einen getrennt wurden, bedürfen zu ihrer Lösung nur noch der Erklärung
Jes einen Teils zum Register, ;
Hiergegen wendeten sich gewichtige Stimmen aus der Versammlung, u. a.
Krassikoff, der das System eine. ‚offen erklärte, schrankenlose Vielmännerei
und Vielweiberei‘ nannte, Es wurde auch hingewiesen auf den ungenügenden
Schutz des Nachwuchses, da heute schon Fälle vorkämen, in welchen manche
Männer in solchen flüchtigen ‚Reihenehen‘ bis zu 20 Frauen gehabt hätten,
and von fast jeder eines oder mehrere Kinder. Wo bleibe da noch die ‚Versorgungspflicht
 durch den Vater? Leitender Gesichtspunkt der russischen
Gesetzgebung sei doch die Rücksichtnahme auf die künftige Generation.
Bei der bisher gehandhabten Scheidung wird im wesentlichen nur der
Unterhalt der Kinder gerichtlich geregelt. Da’ das außereheliche Kind
genau denselben Schutz genießt, wie das eheliche, wobei genügt, daß die
Frauensperson irgendeinen Mann als Vater ihres Kindes. bezeichnet, mit
dem sie Umgang hatte, so ist in dieser Beziehung Ehe, Konkubinat und
zufälliger Geschlechtsyverkehr gleichgestellt. Dabei steht der betreffenden Frau
Jaut Gesetz das Recht zu, unter den Männern, die in Frage kommen können,
einen zu wählen oder auch mehrere zum Unterhalt heranzuziehen.
            
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