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.‘ Vierter Teil: :
49000 Kinder. unter vierzehn ‘Jahren aufzuweisen hat, so ist
demnach gegenwärtig jedes vierte Tiroler Kind unehelich,: wo-
bei in einzelnen. Bezirken —: bei den angeführten Zahlen han-
deit es sich ja‘ nur um Durchschnittsziffern —.der Prozentsatz
der .unehelichen Geburten noch viel höher ist1!%, Vergleicht. man
hierzu die statistischen Aufzeichnungen über die ehelichen und
unehelichen Geburten aus dem alten Österreich, so findet man,
daß: beispielsweise im Jahre 1900 Tirol unter den damaligen
österreichischen‘ Kronländern fast den kleinsten Prozentsatz von
unchelichen Kindern aufwies. Um die Jahrhundertwende waren
in Tirol bloß etwa über 7% aller Geburten unehelich, im abge-
laufenen ersten Viertel des 26. Jahrhunderts.haben sich daher
die. unehelichen Geburten. daselbst mehr als verdreifacht.
Bemerkenswerterweise steht der Zunahme der unehelichen Ge-
burten in den österreichischen Alpenländern. eine : starke Ver-
ringerung in Wien und im übrigen Österreich gegenüber. Wien
hatte in den letzten Jahren nicht ganz 20% unehelicher Ge-
burten; wenn in Tirol heute jede vierte Geburt eine uneheliche
ist, so’ ist in Wien gegenwärtig erst etwa jede sechste unehelich.
Auch für ganz Deutsch-Österreich läßt sich im Vergleich mit
der Vorkriegszeit eine starke Veränderung in der Verteilung der
Geborenen nach. der Legitimität feststellen: Im Jahre 1919
waren noch fast drei Zehntel aller Geborenen unehelich; schon
während des Krieges zeigt sich eine Abnahme; seit dem Jahre
191g stellen die unehelich Geborenen nur noch weniger als ein
Fünftel, ja zumeist weniger als ein Sechstel zur Gesamtzahl der
Geborenen!!3, Die Ursachen dieser Erscheinung sind keineswegs
„moral“ statistisch. zu erfassen, denn: sie beruhen zweifellos
ganz überwiegend auf juristischen und soziologischen Tat-
42. Neues. Wiener Journal vom 3. April 1929.. .
"3 Walter Schiff, Die natürliche Bewegung der Bevölkerung der
Bundeshauptstadt Wien in‘ den. Jahren 1909-1925. (Statistische Mit-
teilungen der Stadt Wien, 1026, 4; Sonderheft, S. ı4.)