Krieg und Nachkrieg.
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sachen. Diese ersteren. bestehen in dem Überhandnehmen des
vermehrten‘ Präventivverkehrs der unehelichen Liebespaare. Die
Moralstatistik, die ihre Erkenntnisse auf die rein äußerlichen
Verminderungen. der unehelichen Geburten abstellen wollte,
wäre also wieder einmal auf dem Holzwege. Die zweite Gruppe
von. Ursachen erklärt sich aus.dem Hinwegfall einer Reihe von
früheren Ehehindernissen, wie des obligatorischen Militär-
dienstes, des Lehrerinnenzölibates sowie anderer der Eheschei-
dung im Wege stehender Barrieren: Seit dem Jahre 1919 „be-
ginnt die Verwaltungspraxis vom Ehehindernis des bestehenden
Eliebandes zu dispensieren; während früher zahlreiche Kinder
nur deshalb als unehelich zur Welt gekommen waren,. weil
die Eltern einander nicht heiraten konnten, ist. jetzt dieser
Grund für die unehelichen Geburten im weiten Umfange weg-
gefallen‘ 114,
Überdies gab es in der unmittelbarsten Nachkriegszeit noch
eine dritte Ursache. für die Verminderung der unehelichen Ge-
burten. Da im ganzen mehr unverheiratete als verheiratete Män-
ner ins Feld gerückt waren, so hat der Verarbeiter der Wiener
Statistik vielleicht recht, wenn er arguiert, daß verhältnismäßig
mehr uneheliche als eheliche Zeugungsakte unterblieben sind.
_ Die, starken. Verluste an ledigen Männern im heiratsfähigen
Alter, welche durch den Weltkrieg verursacht worden sind, ver-
anlaßten viele Nationalökonomen, wie z. B. Mombert, im Jahre
z919 zu der Prophezeihung, „daß für eine ganze Reihe von
Jahren ‚hinaus, solange bis durch eine ganz neue Generation im
heiratsfähigen Alter voller Ersatz geschaffen ist, die Heirats-
häufigkeit bei uns eine weit geringere sein wird als in früheren
Zeiten. Unter allen Frauen im fruchtbaren Alter wird ein weit
geringerer Teil zur: Ehe gelangen, wenn nicht ein Ausgleich
durch Veränderungen im Heiratsalter in der Weise eintritt, daß
ältere Frauen mit jüngeren Männern eine Ehe eingehen, oder
114 Ebenda.