Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

Zweiter Teil. 
Statistische Vorfragen. 
Die Zahl der gebärfähigen Frauen in einem Volke wird zu- 
nächst von klimatischen und rassenmäßigen Voraussetzungen 
abhängen, d. h. sie wird differenziert werden müssen. Das 
Kriterium besteht dabei natürlich in dem Eintritt der ersten 
Menstruation. Auf diesen entscheidenden Punkt hat bereits 
Melchiorre Gioia aufmerksam gemacht, der übrigens den 
rassenmäßigen Ursachen vor den klimatischen den Vorzug gab. 
Nach Gioia tritt die erste Menstruation bei den Mädchen in 
Frankreich erst zwischen 13 und ı4 Jahren, bei denen in 
Italien zwischen 12 und 13, bei den Araberinnen mit ır, bei 
den Senegälnegerinnen zwischen 9 und 10 und bei den Indie- 
rinnen auf Malabar zwischen 8 und 9 Jahren auf, Indessen 
ist die vor uns liegende Frage nicht nur rassenmäßig, sondern 
auch klassenmäßig differenziert. Italienischen Untersuchungen 
zufolge erlebt die Mehrzahl der jungen Proletarierinnen in 
Turin die erste Menstruation erst mit 15 Jahren, während bei 
der Mehrzahl der jungen Mädchen aus den besitzenden Klassen 
derselben Stadt das erste Anzeichen der Geschlechtsreife schon 
mit 13 Jahren fällig ist?, was wesentlich durch die verschie- 
denen Grade der Ernährung und Lebensführung hervorgerufen 
sein dürfte. Doch scheint es für die Perioden der eintretenden 
Geschlechtsreife innerhalb der Mädchenschaften eines Volkes 
oder. einer Stadt noch eine weitere Gliederung zu geben. Nach 
Lombroso und seinen Mitarbeitern menstruileren die Diebinnen 
FL SE 
1 Melchiorre Gioia, Filosoßa della Statistica (1. Aufl. 1828; 2. Aufl. 
Torino 1852, Tip. Econ., vol. I, p- 275/6.) 
2 Alfredo Niceforo, Anthropologie der nichtbesitzenden Klassen, 
Amsterdam 1910, Maas en van Suchtelen, S. 126.
	        
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