Statistische Vorfiragen.
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Ersteres mag z. B. die geringe Geburtenunehelichkeit in Italien
miterklären, wo bekanntlich der Überschuß an männlicher Be-
völkerung erst um 1901 (und wohl zumal wegen des Ein-
setzens der Massenauswanderung) dem umgekehrten, die euro-
päische Demographie heute (außer in einigen Balkanländern)
beherrschenden Verhältnis gewichen ist!4. Daß die demo-
graphisch-physiologischen Zusammenhänge nicht allein zur
Bildung der betreffenden. Tatsachenreihen führen, dürfte das
Beispiel Englands beweisen, wo der ungeheure Frauenüber-
schuß von 1200000 heiratsfähigen Mädchen ?!5 keineswegs
zu einer diesem entsprechenden Unehelichkeitsziffer geführt
hat, weil die demographisch-physiologische Voraussetzung
durch andere Faktoren, wie Erziehung, moral restraint, Reli-
gion, vielfach auch geringe Reize (Unweiblichkeit) und geringe
Reizbarkeit (Frigidität beider Geschlechter), durchkreuzt wird,
Aber zu denken gibt der Überschuß an Frauen in England den-
noch. In einer im Februar 1919 in London stattgehabten Ver-
sammlung des Instituts für öffentliche Gesundheit teilte
Dr. Saleeby mit, daß gegenwärtig in Großbritannien 3 Mil-
lionen mehr Frauen als Männer vorhanden seien. Dieser Über-
schuß, der in der Weltgeschichte einzig dastehe, sei ungesund
und eine Gefahr für die Monogamie. Die Nation vermindere
sich dadurch quantitativ und qualitativ. Man rede von ver-
mehrter Produktion, die notwendig sei, um die Verheerungen
des Krieges wieder gutzumachen; aber man produziere nicht
die Produzenten16.
Auch geringe Trauungsfrequenzen vermögen sich wohl mit
geringer Unehelichkeit der Geburten zu paaren,. wie solches hei
4 G. Pinardi ed A. Schiayvi, L’Italia Economica, Annuario. Anno IL
1908, Milano 1908, Soc. Ed. di Annuari, p. 23.
15 A, Andr6ades, La Population Anglaise avant, pendant et aprös la
grande Guerre, Ferrara 1922, Taddei, p. 87.
16 Times vom 3. Februar 1919.