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I. Die Grundurteile der Politik.
H aus. Doch ist es nie gut, einen Vergleich zu Tode zu
Hetzen; so kann man auch aus diesem zwar viel wert
volles, nicht aber eine vollständige Staatstheorie abzu
leiten unternehmen.
Zu anderen politischen Ideen verhält sich das Orga-
nisationsprinzip mehr indifferent; so zil dem speziellen
deutschen Problem der Stämme untereinander ini
Staate. Dem ganzen deutschen Volk ohne weiteres
scheint es nicht angeboren zu sein; denn vor über hun
dert Jahren sprach z. B. Frau von Stadl in ihrer sonst
wohlwollenden Kritik dem Deutschen das Talent zur
Organisation rundweg ab. Damals war Preußen noch
klein, norddeutsche Art noch nicht führend, und es
stimmt mit anderen Beobachtungen überein, daß es
speziell niederdeutsche Wesensart ist, die zur Organi
sation drängt. Es ist der preußische Einschlag in deut-
) sches Wesen, der ihre Blüte gezeitigt hat, womit nicht
gesagt ist, daß es oberdeutsche Stämme nachher nicht
\ ebenso gut verständen, zu organisieren. Aber der An
stoß scheint uns vom Norden zu kommen und zu dem
Anteil Eisen ins deutsche Blut zu gehören, der zu unserer
Machtentfaltung unerläßlich war.
Auch für den großen Gegensatz des reinen Natio
nalstaates zum gemischten Kulturstaat läßt sich von
unserem Prinzip aus zwar keine Entscheidung, aber
doch ein Streiflicht gewinnen. Wenn tatsächlich die
fremden Elemente im deutschen Reich und besonders
in Österreich sich so wohl fühlen, daß sie gar nicht „er
löst" sein wollen, wie dies der Krieg vielfach gezeigt
hat, so ist das vielleicht mehr guter „Organisation" als
sonstigen einzelnen Kulturfaktoren zu verdanken. Man
denkt in bezug auf das Gewinnen und Festhalten sol-