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Dritter Teil.
Später bezeugte ein englischer Fabrikbesitzer vor dem Parla-
mentskomitee, daß sich nach Einführung der Nachtarbeit die
Zahl der unehelichen Geburten in seiner Fabrik verdoppelt
habe?9,
Das waren die Zeiten, in welchen die Diskussion über den
Nutzen der Findelhäuser entbrannte. Diese Häuser besorgten die
Unterbringung der Kinder. Es kann nicht in Zweifel gezogen
werden, daß die Findelhäuser als Anstalten ein Präventivmittel
zur Verhinderung des Kindesmordes und der Aussetzung waren,
und daß ihre Gründung beim Nichtvorhandensein des Alimen-
tations-Klagerechtes durch Humanitätsrücksichten geboten er-
schien%%. Auf der andern Seite führte, die Einrichtung der Findel-
häuser zur Vermehrung der gunehelichen Geburten. Wurden sie
doch von manchen sogar spöttisch als Prämie dafür bezeich-
net41, Und sogar auch als Prämie für eheliche Geburten. Denn
die Leichtigkeit und Kostenlosigkeit der Unterbringung veran-
laßten nun auch manche regelrecht getrauten armen Eltern ihre
Neugeborenen diesen Häusern anzuvertrauen. Hiedurch wurde
auf der einen Seite das Gefühl für Verantwortung und Kindes-
liebe aus dem Herzen einer gewissen Zahl rechtmäßiger Ehe-
leute gerissen. Ferner wuchs aber auch die Zahl der unehelichen
Kinder offiziell um die Zahl der von ihnen statistisch meist
nicht trennbaren ehelichen Findelkinder42, Eine Erwägung, die
in Frankreich bekanntlich zur radikalen Änderung des Systems
39 Roscher, Ansichten der Volkswirtschaft, 1. c., S. 238.
40 Alban de Villeneuve-Bargemont, Economie Politique Chretienne,
ou Recherches sur la Nature et les Causes du Pauperisme en France et en
Europe, Bruxelles x8347, Meline, p. 389; Julius Frühauf, Artikel „Ehe“
in H. Rentzsch, Handwörterbuch der Volkswirtschaftslehre, Leipzig 1866,
Meyer, S. 236.
4 Lamartine, 1. c., S, 320.
% In Frankreich, zumal aber auch in einigen italienischen Staaten, Vgl.
C. J. A, Mittermaier, Italienische Zustände, Heidelberg 1844, Mohr,
S. 175£.; Oettingen, 1. c., S. 5897.