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Dritter Teil
endlichen Durchbruch eines unabhängigeren Geistes, insbesondere
einer weitherzigeren Auffassung des Geschlechtslebens
durch die Abwendung von dem Aberglauben an die sittliche Notwendigkeit
der offiziellen Ehe®. Immer unter der Voraussetzung
der freien Liebe unter freier Selbstverantwortung, d. h. der
Monogamie und Pflicht zu gemeinsamer Kindererziehung ®,
Dementsprechend haben dieselben Sozialisten den‘ ungezügelten
Geschlechtsverkehr stets auf das eifrigste bekämpft und in manchen
ehemals von Prostitution, Fruchtabtreibung und Kindesmord
außergewöhnlich heimgesuchten Gegenden, wie im Bolognese,
nach. dem Zeugnis von Ärzten diese Verbrechen mittelst
unermüdlicher Propaganda so gut wie völlig getilgt7% Dabei
wurde auch der äußeren Form des Eheschlusses gedacht; es
entstand das Fest der sozialistischen Hochzeit und der Taufe,
ohne Priesterweihe, aber nicht ohne Anreden und Schmausen?!,
Faßbarer als die Zusammenhänge zwischen Sozialismus und
Geschichte der Sittlichkeit an sich sind diejenigen zwischen
Sozialismus und Neomalthusianismus. Der Geburtenrückgang
ist häufig in den Gegenden am stärksten, wo die Sozialdemokratie
die Massen beherrscht. Ein deutscher protestantischer Beurteiler
bemerkt dazu etwas voreilig: „Der Sinn dieser Tatsache
68 Iyanoe Bonomi e Carlo Vezzani, Il Movimento Proletario nel}
Mantovano, Milano 1901, Ed. Critica Sociale, p. 19.
89 Gualtiero Sarfatti, I sentimenti Famigliari nel Popolo Italiano.
Rassegna Nazionale, April 1910, p. 17.
70 Nach dem Ms. des Referats von Argentina Altobelli Bonetti,
der bekannten Organisatorin der Reisarbeiterinnen, auf dem Internationalen
Frauenkongreß, Berlin, Juni 1904.
71 Auch in Amerika haben, in begeisterten sozialistischen Kreisen, derartige
Hochzeiten stattgefunden, vor einer breiten fellowship und sogar
unter Anrufung Gottes für das Postulat eines new life of socialism when
the love that made this union holy shall be the only basis of marriage,
and when this love, streiching out, shall embrace the common life of
the world. (A Socialist Wedding, being the Account of the Marriage of
George D. Herron and Carrie Rand, New York 1902, Privatdruck;
vgl. S. ı, 10, 39.)