Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

Fehlerquellen der Unehelichkeitsstatistik.

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die Universitätskliniken Marburg, Tübingen usw., in denen die
Mädchen vom Lande ihrer Entbindung entgegensehen, gilt197,
Für das Zusammenlaufen der ihre Niederkunft erwartenden
Unehelichen in den großen Städten spricht auch ein Indizium,
nämlich die geringfügige uneheliche Geburtenziffer in der ländlichen
 Umgebung der großen Städte im Verhältnis nicht nur
zur Stadt, sondern auch zum übrigen flachen Lande, eine Erscheinung,
 die z. B. für Italien1% festgestellt wurde und die
keine andere Erklärung zuläßt als die oben angeführte.
Eine andere, nicht weniger gefährliche Fehlerquelle der
vergleichenden Moralstatistik durch ungenügende Berücksichtigung
 ihrer kausalen Faktoren entsteht dann, wenn die
hohen unehelichen Geburtenziffern von ortsfremden oder gar
nicht einmal der gleichen Nationalität angehörenden Schwängerern
 hervorgerufen sind. Das mag bisweilen in Kriegszeiten
 der Fall sein. Wenn die Angaben über aus Notzüchtigungen
 oder Verhältnissen deutscher Krieger stammende
uneheliche Kinder französischer und belgischer Frauen durch
nationalen Fanatismus auch übertrieben sein mögen, als Phäno-107

 Vgl. den eingesandten Brief des Studenten Martin Lezius im Sprechsaal
 der „Sexualprobleme, Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik“,
 5. Jahrg., Januar x909, S. 80, welcher den Beweis dafür, daß
Jas Vorhandensein der Universitätskliniken, nicht aber die sexuellen Ausschweifungen
 der Studentenschaft die hohe Zahl der unehelichen Geburten
in den kleinen Universitätsstädten Deutschlands verursacht, dadurch als erbracht
 erachtet, daß z. B. Städte, wo nur Polytechniken bestehen, wie Darmstadt
 oder Stuttgart, nur 8,5 resp. 10% unehelicher Geburten aufwiesen,
„Sollen etwa die Polytechniker dieser beiden Städte soviel geschlechtlich
abstinenter leben als die Juristen, Mediziner, Theologen usw. in Marburg,
Gießen, Tübingen, Jena us£.?"*
1068 Giorgio Mortara, Le Popolazioni delle grandi Citta Italiane. Torino
1908, Sten, p. 121. — Die unehelichen Mütter in Frankfurt stammen
„zu über 4/; von auswärts, und von diesen auswärtigen Müttern wieder über
%/. aus kleinen (großenteils sogar ganz kleinen) Ortschaften‘. (Spanm,
Lage und Schicksal, S. 10.)
Michels, Sittlichkeit in Ziffern.
            
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