Full text: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

92 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft. 
„Kapitalisten‘ finden müssen, der an ihrer Stelle die Forderungsrechte auf Deutsch- 
land übernimmt, 
Und hier ist endlich der Schlußpunkt, an dem die einheitliche Weltwirtschaft, 
die keine Landesgrenzen kennt, mit der Gesamtheit der nationalen Volkswirtschaften 
mit Landesgrenzen und vor allem mit eignem Preisniveau in eins zusammen- 
schmelzen. Es ist das Preisniveau der durch die Landeswährung 
umgrenzten Volkswirtschaften, welches die letzte Rache an der 
Weltzwangswirtschaft der Reparationen nimmt. 
Damit ist der Grundirrtum, auf dem der Reparationsplan aufgebaut ist, klar- 
gelegt: Wenn weder die aktiven Güter, die in Deutschland dem Reparations- 
agenten gezehntet werden, aber in Deutschland verbleiben, noch die nach 
England, Frankreich usw. transferierten passivischen Kapitalrechte daran geeignet 
3ind, verzehrt werden zu können, noch geeignet sind, nach dem beliebigen Willen der 
Entente-Staatsleiter benutzt werden zu können, wie etwa bei uns beschlagnahmtes 
und in Frankreich in Dienst gestelltes Heeresgut, so ist es eine falsche Vorstellung, 
wenn die Entente glaubt, auf diese Weise eine „Reparation‘‘, eine Wiederherstellung 
von Kriegsschäden erlangen zu können, Die Entente-Politiker sind das Opfer eines 
nationalökonomischen Irrtums geworden, indem die Väter des Dawes-Plans die 
privatwirtschaftliche Form mit dem volkswirtschaftlichen Inhalt verwechselt haben. 
Wie wir sahen, besteht das einzige, was möglich ist, darin, in Deutschland 
Kapitalrechte indirekt oder direkt zu beschlagnahmen. und an Untertanen der 
Entente-Staaten zu übertragen, entweder pro rata ihres „Altbesitzes‘‘ an eignen 
Entente-Kriegsanleihen oder pro rata ihrer Steuerzahlungen, Der englische, fran- 
zösische usw, Wirtschaftskreislauf aber wird durch beides nicht angereichert; was 
man. in ihm verbrauchen will, sei es für Wiederherstellung zerstörter Gebiete u. 8. 
sei es — gegen den Sinn der Friedensgrundlage verstoßend — für andere Zwecke, 
kann im wesentlichen nur aus diesem Kreislauf selbst genommen werden !), Fein 
säuberlich bleiben die Kapitalurkunden in England, Frankreich usw. und die ihnen 
entsprechende aktive Güterapparatur in Deutschland von einander getrennt: Eng- 
lands Wirtschaftskreislauf und also seine Wirtschaftsmacht ist nicht reicher, nicht 
größer, nicht fruchtbarer geworden dadurch, daß es zahlreiche Schriftstücke besitzt, 
auf denen ihm das Kapitaleigentum an deutschen Betriebsanlagen verbrieft ist, 
Es kann sie nicht im Sinne einer Wiederherstellung verbrauchen; es ist ähnlich, 
als wenn ein machtlüsterner Staat sich das Eigentum an der „hohen See“ im 
völkerrechtlichen Sinne sich vom Völkerbund zusprechen ließe, Die deutschen, aus 
Reparationen entstandenen Betriebs- usw. Anlagen sind, an der laienhaften Vor- 
stellung des Eigentums, das man beliebig transferieren kann, gemessen, gradezu 
„herrenloses Gut‘“ in dieser internationalen Beziehung, Selbst die Zins- 
ausbeute ist kein transferierbares Eigentum des Auslandes; die Zinsen bereichern 
den englischen usw. Kreislauf nicht, sondern machen ihn im Gegenteil unfrucht- 
barer, als er ohne die Zinsen sein würde, 
Treiben die Entente-Staaten ihren Irrtum über die Weltwirtschaft gar soweit, 
wie sie es bisher taten, daß sie die deutschen „Zahlungen“ in ihrem Etat „konsum- 
iv‘ verbrauchen, so genießen sie keine Wiederherstellung, keine 
Entschädigungen, sondern erleiden Schädigungen, auch dann, wenn 
sie den scheinbar sicheren Ausweg der Sachlieferungen wählen. 
Im wesentlichen argumentierte unsere bisherige Darlegung unter dem Gesichts- 
1) Auch eine etwaige Ausdehnung des englischen, französischen usw. Imports ist, wie 
noch zu zeigen sein wird, keine reparationskausale Angelegenheit.
	        
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