Full text: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

96 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft. 
kenntnis weiter zu fördern war. Wenn im Inlandsverkehr jemand — nennen wir 
ihn Fabrikant A — in seinem Betrieb neue Fundamente auf Kredit gebaut hat, so 
jäßt sich das darin investierte Kapital nicht mehr zurückverflüssigen, selbst wenn 
es bisher von keinem Menschen privatwirtschaftlich erspart worden wäre, selbst 
wenn weder der Fabrikant A das nötige Kapital besäße, noch sein Lieferant, noch 
dessen Vorlieferanten, noch! deren Vordermänner usw, auf den betreffenden Geld- 
betrag verzichten könnten, sondern die Forderung an den A wie ein glühendes Eisen, 
in rasendem Lauf Güter kaufend, von Hand zu Hand wandern ließen. In jedem 
Augenblick hat irgendwer die Forderung auf den A oder die daraus entstandenen 
Schuldtitel zwischengeschalteter Delkredere-Zwischenstellen im Risiko, sei es auch 
nur für Minuten; immer muß es einen freiwilligen oder oft unfreiwilligen „letzten 
Eigentümer‘ des betreffenden Fundaments geben. Im Fieberzustand der Hoch- 
konjunktur kommt es auf diese Weise dazu, daß industrielle Anlagen errichtet 
werden, ohne daß entsprechende privatwirtschaftliche Ersparnisse vorher gemacht 
worden. wären. Zum Teil werden auf solche Weise Anlagen erstellt, die sich später 
als volkswirtschaftliche Ladenhüter entpuppen. — Die Anlage der Reparations- 
summen als Realkapital in Deutschland hat einen ähnlichen Zwangscharakter: 
Wenn die hinter den Reparationssummen stehenden Güter einmal für irgendeinen 
wirtschaftlichen Zweck angesetzt sind, kann sie kein Mensch dort wieder weg- 
nehmen und zurückverwandeln; der wichtige Untersschied aber besteht hier darin, 
daß 1. die Gefahr der Entstehung von Ladenhütern nicht kausal gegeben ist, und daß 
2, die zur Finanzierung nötigen privatwirtschaftlichen Sparbeträge nicht erst 
hinterher und weil den „Darauf-sitzen-gebliebenen‘“, wollend oder nicht wollend, 
nichts anderes übrig bleibt — wie im Falle der Konjunktur —, Sondern vorher und 
laufend durch das Zwangsdiktat des Dawesplans sich bilden, bei uns durch Repara- 
tionssteuerzahlung, bei der Entente durch das Ersparen von sonst zu zahlenden 
Steuern der Landeseinwohner, 
Zuletzt sei auf eine Rede eingegangen, welche Auld?), der frühere Leiter des 
Verrechnungswesens des Wiederherstellungsausschusses am 25. April 1928 in 
Housten. (Texas) über die Entschädigungsfragen und das Problem der interalliierten 
Schulden gehalten hat und aus der folgende Stellen (nach der I. u. H. Z.) wieder- 
gegeben seien: 
„Die Last ist Deutschland auferlegt worden, indem man von dem Gedanken 
ausging, daß die Kriegsverluste unter den Völkern Europas in fairer 
Weise verteilt werden müßten und daß kein Volk eine unverhältnismäßige Last 
auf sich nehmen konnte, ohne die Gesamtheit der Völker der Gefahr des Zusam- 
menbruchs auszusetzen.“ 
„Der Dawes-Plan hat eine haltbare moralische Grundlage, Er bot allen Be- 
teiligten eine vorteilhafte Regelung, Er ist deswegen als gesund und wirksam an- 
zusprechen, Eine Richtung englischer Wirtschaftspolitiker sagt uns indessen, daß 
der Plan umdurchführbar sei. Der Plan funktioniert, aber Keynes und seine An- 
hänger sagen uns, daß er nicht mehr funktionieren wird, wenn die Periode der 
Höchstzahlungen in diesem Herbst erreicht wird, Der Plan ist ein billiges und vor- 
teilhaftes Abkommen, das von vernünftigen und intelligenten Männern aufgesetzt 
war, von ihnen akzeptiert wurde und hochgehalten wird. Aber die Wirtschaftler 
1) Kölnische Zeitung 25. 4. 28 und Industrie- und Handelszeitung 27. 4. 28. — Aus- 
führlicher in Auld, The Dawes-plan and the New Economics, mit einem Vorwort von Rufus 
C. Dawes, Doubleday, Page & Co. New York 1927.
	        
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