Full text: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Weltwirtschaftliche Grundlagen einer deutschen Reparationspolitik, 97 
erklären uns, es gäbe ein Wirtschaftsgesetz, das mit einer Regelung dieser Art im 
Widerspruch stehe, und das den Plan zwingen würde, seinen Geist aufzugeben. Sie 
sagen, es gäbe ein neues wirtschaftliches „Etwas‘, das erst neuerdings in die Ge- 
setze der internationalen Wechselbeziehungen gelangt sei, und das man als das 
Transfer-Problem bezeichnet, das einen zahlungswilligen und zahlungsfähigen 
Schuldner daran verhindere, zu zahlen, und gleichfalls einem bedürftigen Gläu- 
biger unmöglich mache, Zahlungen von der Größe der internationalen Schulden- 
raten entgegen zu nehmen, ohne daß er selbst Schaden dadurch erlitte.“ 
„Welcher neue Faktor ist seitdem hervorgetreten, der all das geändert hat? 
Was hat das internationale Wirtschaftssystem der Vergangenheit plötzlich ver- 
hängnisvoll und undurchführbar gemacht? Die Antwort lautet natürlich: garnichts! 
Das einzige, was sich ereignet hat, daß das Land A, das früher ein Gläubigerland 
war, jetzt ein Schuldner ist, und daß das Land Y aus einem Schuldner zu einem 
Gläubiger geworden ist. Das Transfer-Problem ist nichts anderes als 
eine Gemütsverfassung, Als die interalliierten Schulden plötzlich unter dra- 
matischen Umständen in Höhe von zehn Milliarden Dollar geschaffen wurden, 
rissen zwei- bis dreihundert Millionen Menschen in starrem Staunen die Mäuler auf, 
Nicht die Hälfte von einem Prozent dieser Leute hatten je von den fünfzig Milliarden 
Auslandsverpflichtungen (33 Milliarden nach der Vorkriegsrechnung) gehört, deren 
Gläubiger Europa im Jahre 1913 war, Die Legende, die von Gefahr und Unmöglich- 
keit sprach, entstand damals, sie wuchs, breitete sich aus und fand bei Leuten 
weithin Glauben, die sich niemals kritisch auf Grund von Erfahrung oder durch ein- 
fache Anwendung des gesunden Menschenverstandes mit der Frage befaßt haben. 
Tatsache ist, daß internationale Schulden unter normalen Verhältnissen nie 
durch Exportüberschüsse gezahlt worden sind. Internationale Schulden entstehen 
lediglick daraus, daß die Schuldnerländer keine Exportüberschüsse haben. Nach 
Verlauf von vielen Jahren werden sie hei Fälligkeit durch die 
Schaffung einer frischen Schuld bezahlt, Nichts ist natürlicher, ge- 
sünder und vorteilhafter für alle Beteiligten als dieser Zyklus von Kapitalverteilung 
über die Welt. Und nichts ist von der genannten Schule britischer Wirtschaftler in 
dunkleres Schweigen gehüllt worden, die auf die interalliierten Schulden blicken 
und sie feierlich für unbezahlbar erklären. 
Die Welt zerfällt zujeder Zeit innatürliche Schuldnerstaaten 
und natürliche Gläubigerstaaten, Ein natürliches Schuldnerland ist ein 
Staat, dessen heimisches Kapitalbedürfnis größer ist, als die jährlichen Ersparnisse. 
Das galt für die Vereinigten Staaten vor dem Kriege und gilt heute für Europa. Ein 
natürliches Gläubigerland ist ein Staat, in dem das heimische Kapitalbedürfnis, wie 
in Europa vor dem Kriege und heute in Amerika, hinter den jährlichen Erspar- 
nissen zurückbleibt. Den Index für diese Bedürfnisse bildet der Zinssatz. Das Kapital 
folgt den Zinssätzen wie die Gezeiten dem Monde. Es gehorcht den Gesetzen von 
Angebot und Nachfrage und so fließt heute unser überschüssiges Kapital, das Pro- 
dukt unserer Industrien, in ununterbrochenem Strome über den Ozean. 
Diese Kapitalbewegung von einem Gläubigerstaat aus, diese Art der Ausfuhr 
seines Produktionsüberschusses stellt den einzig wirklichen Exportüberschuß dar, 
den das internationale Wirtschaftssystem kennt, den Exportüberschuß, den ein 
natürliches Gläubigerland stets hat und der einem natürlichen Schuldnerland stets 
abgeht. Dieser authentische Exportüberschuß fließt nicht von einem Schuldnerland 
aus, sondern er fließt zu ihm hin. Gleich nach dem primären Güteraustausch, der 
bis zur vollen Ausnutzung der Exportfähigkeit eines Schuldnerstaates geht, tritt 
Mahlberrzy, Reparations-Sabotare. T
	        
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