102 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft.
uns entstanden ist, nun auch bei uns stehen zu lassen. .In jeder Weise und überall,
wo der Staat hierzu die Möglichkeit hat, sorge er für Erleichterung der Kapital-
investierung in Deutschland. Siehe hierzu die Einzelvorschläge des nächsten
Kanitels.
6. Die nächste politische Forderung geht dahin, daß der Staat sich Vorzugsweise
mit der Förderung langfristiger Kredit- oder Beteiligungsinvestierung befassen
möge, was im nächsten Kapitel noch ausführlich zu besprechen ist. ;
7. Wir müssen uns eine zähe Dickfelligkeit gegen die hohen Zinswünsche des
Auslandes angewöhnen, denn im Punkte der derzeitig volkswirtschaftlich berechtigten
Zinshöhe zeigt sich eine groteske Folge des zwangswirtschaftlichen Eingriffs in die
Wirtschaft, wie hierunter näher dargelegt wird.
Es ist durch die Zwangssparkasse des Reparationsagenten in großem Umfange
Kapital in Deutschland gebildet worden: aktiv betrachtet, die dahinter stehenden
Güter und Dienstleistungen sind in irgendwelchen Unternehmungen investiert; passiv
betrachtet, das Eigentumsrecht daran ist zwangsweise erspart worden. Von Mangel
kann also keine Rede sein, die Güter und die Unternehmer sind vorhanden, man
braucht nur seitens der Rechtsnachfolger des Reparationsagenten zu gestatten, daß
deren indirektes Eigentumsrecht von den genannten Unternehmern in irgendeiner
juristischen Form direkt wahrgenommen wird, daß also die bestehenden kurzfristigen
Schuldverhältnisse langfristig konsolidiert werden. Es besteht, so gesehen, eine voll-
kommene Kongruenz zwischen den auf den Aktivseiten irgendwelcher Bilanzen
stehenden Gütern und den auf den Passivseiten stehenden, auf Deutschland lau-
tenden Kapitalrechten, sodaß es weder ein Zuviel noch ein Zuwenig gibt: Soviel
Mark in Gütern investiert sind, genau soviel' Mark Sparkapital zu Gunsten aus-
ländischer Hände ist vorhanden, Von hier aus besteht keine Veranlassung, daß
ler Zins für Investierung in deutscher Anlage steigt.
Ebenso wenig besteht, wie wir früher sahen, in den Empfangsländern des Bar-
iransfers Veranlassung, daß der Zins steigt. In England, Frankreich, Belgien usw.
stoßen zu den dort ersparten Kapitalien, die gegen Zins ausgeliehen werden, die
Kapitaldispositionsrechte, welche durch den Transferprozeß der englischen, fran-
zösischen usw. Regierung eingeräumt werden: Dieses Dispositionsrecht ist in den
Händen der Regierungen oder ihrer Rechtsnachfolger privatwirtschaftliches Kapital,
das gegen Zins ausgeliehen werden kann, von Hand zu Hand wandert und dauernd
als Kapitalrecht existent ist. Es sind mithim dort zuviel Kapitalrechte im Sinne
von .privatwirtschaftlichen Ersparnissen vorhanden, sodaß dort der Zins nicht
steigen kann, sondern — genau wie bei ‚uns in der Inflation, als auch „zuviel
Kapital“ durch die existent gewordenen Geldzeichen. vorhanden war — sich die
Diskrepanz durch ein Steigen der Warenpreise Luft machen muß. Der Zins in den
Empfangsländern kann nicht nur niedrig sein, sondern sogar sinken, denn „Geld‘
zibt es im Überfluß bei ihnen, wie die früheren Illustrationen
Nr. 18, 14, 15 und 15. (Fortsetzung) mit einer durch nichts zu
arschütternden Exaktheit beweisen,
Wenn wir in Deutschland also nur ein klein wenig mehr über den ausländischen
Zins hinaus. als Verzinsung anbieten, so muß das genügen, um die ausländischen.
Hände zur Übernahme deutscher langfristiger Kapitaltitel zu veranlassen — kurz-
!ristig haben sie ja deren Beträge bereits, wollend oder nicht wollend, in der Hand.
Hier zeigt sich, daß wir in diesem gigantischen Reparationsstreit den Vorteil der
„inneren Frontlinie‘“ haben: In England, Frankreich, U. S. A. usw. muß gegen ihre
aigenen. Interessen .und ‚unter gleichzeitiger Kapitalentwertung ein wirtschaftlich