dadurch, daß die Erzeugnisse der verschiedenen‘ Fabriken nicht
untereinander gleich sind, Was z. B, bei einer führenden Firma als
Dekorationslack II (3. Güte) verkauft wird, wird bei einer anderen
vielleicht als zweite Qualität vertrieben; ja, es dürfte sogar keine
allzu große Seltenheit sein, daß die erste Qualität der einen Firma
ein weniger zuverlässiges Fabrikat darstellt, oder jedenfalls nicht
wesentlich besser ist als die dritte Qualität des führenden Hauses,
Natürlich läßt sich diese Ansicht nicht ohne weiteres verallgemeinern
und es wäre gewiß ein Fehler, wollte man die Lackfabriken durch-
weg alle ‘so einschätzen, als läge ihnen nur daran, dem Kunden für
sein gutes Geld minderwertige oder schlechte Ware aufzuhängen,
Die deutsche Lackindustrie steht auf einer so hohen Stufe, daß die
vorläufig noch bestehenden Strömungen gegen die Normung auf einen
durchaus begreiflichen Widerstand zurückzuführen sind: eine Firma,
die sich auf eine bestimmte Qualität eingestellt hat, legt natürlich
Wert darauf, daß ihre Sorte als Normallack anerkannt wird, Die
Konzession an die Gemeinschaftarbeit ist sicherlich in manchen Fäl-
len mit gewissen wirtschaftlichen Opfern verbunden.
Einfacher, aber durchaus noch nicht so ganz leicht ist es, Normen
für die trockenen Farbstoffe zu erlangen. Daraus erklärt es sich
auch, daß für Zinkweiß, Bleiweiß, Lithopone und Mennige bereits
Handelsbräuche bestehen, die in mancher Hinsicht als freiwillige
Normung aufzufassen sind, Man hat sich z, B, bei Bleiweiß und
Lithopone darüber verständigt, wie die Zusätze zu deklarieren sind,
Auch bei Firnis kann eine den Bedürfnissen des Malers vollkommen
genügende Normung mit verhältnismäßig einfachen Mitteln durch-
geführt werden; tatsächlich sind ja auch Lieferungsbedingungen für
diesen Stoff schon in Arbeit. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei
Terpentinöl; auch für die Terpentinölersatzmittel wird man leicht zu
bestimmten Normen kommen können,
Schwieriger gestaltet sich die Normung bei bunten Farbstoffen, weil
hier außer den chemischen und maltechnischen Eigenschaften auch die
Farbe selbst. in Betracht kommen muß, So unterscheidet ein nor-
males menschliches Auge, das nur einigermaßen im Farbensehen ge-
schult ist, noch Farbentöne, wenn man den ganzen Farbbereich des
Unterscheidungsvermögens in hunderttausende von Farbstufen ein-
teilt; ein sehr geschulter Kolorist kommt gar auf drei- bis vierhun-
derttausend Schattierungen. Für den normalen Bedarf aber sind so
viele Stufen nicht notwendig, eingehende Studien haben vielmehr
ergeben, daß die 760 teilige Skala von Geheimrat Ostwald
es ermöglicht, sämtliche Farbenzusammenstellungen zu machen, die
z. B. in der Bühnenmalerei vorkommen, Eine weitere Erschwerung
für die Normung bunter Farben erwächst noch aus dem Umstand,
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