26 Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden.
und — wie oben — die Spesen abzuziehen. Alles was oben über die Wirkung auf
den Kurs gesagt wurde, gilt hier ebenfalls, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Wenn
man die Situation bildlich sehen will, so muß man die obige Skizze (Illustration 10)
auf dem Kopf stehend mit der Vorderseite gegen das Licht halten. Insgesamt ist
auch hier die Lage so, daß, je höher Kurs und Zinsdifferenz steigen, solche Ger
schäfte immer schwieriger werden; die Geldbeschaffung für die Spekulation wird
im Hinblick auf Zinsdifferenz und Kurschance immer weniger möglich, die Gefahr
eines Kursverlustes statt Kursgewinnes immer größer, je mehr sich der Kurs der
oberen Goldgrenze nähert, sodaß je länger umsomehr solche Geschäfte unmöglich
und die letzten Spekulanten von den Hunden gebissen werden, Vorher ergab
sich im übrigen dieselbe Paralysierung der Wirkungen auf den Kurs, wie sie oben
geschildert wurde.
Das Ergebnis des vorstehenden Abschnittes ist ein dreifaches:
1. wurde gezeigt, wie bei einer für Deutschland ungünstigen Wechselkursent-
wicklung im Inland und Ausland die letzten Reserven aus privatwirtschaftlichem
Interesse herangebracht werden;
2, wurde dargelegt, wie mit schlechter werdendem Wechselkurs und mithin
beim Vorliegen eines passiven Zahlungsbilanz-Saldos Forderungen auf Deutschland,
die Teile dieses Saldos, als Ware für ausländische Hände immer profitabler wer-
den, während sich für deutsche Hände das. Aufkaufen von Devisen zur Kapital-
anlage progressiv immer ungünstiger stellt;
8. wurde behandelt, daß mit fortschreitendem Kursfall der Mark ausländische
Mark-Baisse-Spekulationen entweder sich relativ ungünstig stellen oder in ihrer Wir-
kung paralysiert werden oder gar eine umgekehrte für den Markkurs günstige
Wirkung auslösen; dasselbe ist bei Devisen-Hausse-Spekulation in Berlin der Fall.
Dieses dreifache Ergebnis gilt nicht nur für den Devisenmarkt Berlin
London, sondern in derselben Weise für den Devisenverkehr Berlins mit allen
ausländischen Plätzen und somit für den Gesamtsaldo unserer Zahlungsbilanz.
Aus privatwirtschaftlich egoistischem Interesse wird ein sol-
cher Passiv-Saldo mithin auf der ganzen Linie und von der
ganzen Welt pfleglich behandelt.
ß) Die Anspannung der internationalen Kreditkreierung.
Zu dieser pfleglichen Behandlung des Saldos tritt, entsprechend der wertvollen,
mit Gewinnchancen ausgestatteten Qualität der ihn bildenden Forderungen an
Deutschland, eine Auffang-Organisation, welche im ganzen Ausland und im Inland
sine umfassende Hilfsstellung einnimmt. Aus privatwirtschaftlichem Egoismus
achafft diese Stützungsaktion freiwillige und unfreiwillige Käufer für die wert-
volle Qualität der Forderungen an Deutschland herbei.
Betrachten wir den Vorgang zunächst von Berlin aus, wobei wiederum das
englische Beispiel zu Grunde gelegt und angenommen wird, daß der Pfundkurs steigt
und gleichzeitig der Zins in Berlin höher wird als in London. Wer nun in Deutsch-
land Geld braucht und geeignete Beziehungen in England hat, wird seinen Geld-
bedarf in dem zinsbilligeren England zu decken versuchen. Er läßt sich Kredite
auf Pfundbasis einräumen, verkauft gegen diese Kredite Schecks oder sonstige
Ziehungen auf London und benutzt den Markerlös für seine Zwecke. Je höher der
Kurs steigt — Kurspunkt I—1I oder II—11I der obigen Skizze —, umso größer wird
die Chance, bei Fälligkeit des Kredits mit einer kleineren Marksumme die geliehe-
nen Pfunde bezahlen zu können, weil bei Kurspunkt III mit einem Fallen des