30 Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden,
desgl. die Möglichkeit, die deutschen Zahlungen zur Konvertierung der auslän-
dischen Staatsschulden zu verwenden.
y) Die ausgleichende Wirkung der „großen“ Devisenspekulation,
Der Unterschied zwischen großer und. kleiner Devisenspekulation, wie er
hier zu machen ist, wurde bereits dargelegt. Die große Spekulation operiert auf
lange Sicht und stemmt sich infolgedessen einer im Augenblick gegebenen Tendenz
entgegen. Sie verkauft, wenn alle Welt Haussier, also Käufer ist, und kauft, wenn
die Kurse fallen. Sie wirkt infolgedessen stets glättend auf die Kursbewegung, wäh.
rend. die kleine Spekulation im wesentlichen darin besteht, existent gewordene
Bewegungen weiter zu treiben und zu verschärfen.
Benutzen wir wieder das englische Beispiel. ‚Die große englische Spekulation
wird, wenn die Mark zwischen Kurspunkt 1—2 oder 2—3 der obigen Skizze
(Seite 21) fällt, Mark kaufen, weil sie bestimmt‘ auf ein Umbiegen des Kurses bei
Punkt 3 rechnet, sodaß sie bei Kurspunkt 4—5 oder 3—4 die billig gekaufte Ware
teurer verkaufen kann. Daß und warum der Kurs bei Punkt 3 umschlagen wird,
wollen wir einstweilen als gegeben voraussetzen, Diese Hausse-Spekulation kauft,
während alle Welt A la baisse geht, entweder effektive Ware oder Termin-
ware.
_ Soweit sie effektive Ware, also juristisch bestehende Markforderungen auf
Deutschland kauft, muß sie diese Devisen nicht nur bar bezahlen, sondern in
der Zwischenzeit, bis ein ihr genehmer Kursstand erreicht ist, hinlegen. und somit
aus dem englischen Devisenmarkt herausnehmen, sodaß dieses Material nicht mehr
auf den Markt drückt, der Markt insoweit für die Dauer der Spekulation entlastet
ist. Daß nach unserer Voraussetzung regelmäßig für Kurspunkt 2-—3 mit höheren
Zinsen in Deutschland zu rechnen ist, wirkt stimulierend für die Ausbreitung solcher
langsichtigen Spekulationen!
Sahen wir früher, daß für Geschäfte zur Ausnutzung der Zinsdifferenz die even-
tuelle Kurschance als zusätzlicher Antrieb wirkt, so wirkt hier umgekehrt die
Zinsdifferenz erleichternd für die Kursspekulation.
Sobald der Kurs genug gestiegen ist, Kursstrecke 3—4 oder 4—5 oder 5—6,
realisieren die Spekulanten. Sie werfen gewissermaßen das früher gekaufte Material
der inzwischen eingetretenen Kurssteigerung, das ist Markerholung, entgegen und
wirken somit bremsend auf die Steigerung. Hier liegt die Ursache weshalb wir
oben sagten, daß die große Spekulation stets glättend wirke. Ihre Geschäfte wirken
beim Abschluß und bei der Wiederauflösung gegen den allgemeinen Strom. Die
Wirkung ist für Deutschlands Interesse, weil die Spekulation auf dem Markt
Jastendes Material herausnimmt und ihm erst wieder zuführt. wenn er es Ver-
dauen kann. ;
Soweit die große Spekulation nur Termingeschäfte macht, also bei
Kurspunkt 1—2 oder 2—3 auf Termin kauft, setzt sie weder Geld ein noch nimmt
sie Material aus dem Markt. Sie beeinflußt durch ihre Geschäfte. zunächst nur
den Devisen-Terminmarkt, aber der Bremsdruck, welchen sie dort gegen den
Preisfall der Mark ausübt, pflanzt sich, wie hier nicht im einzelnen dargelegt zu
werden braucht, auf den Effektivmarkt fort. Würde nämlich die Druckfortpflanzung
nicht. ausreichend vor sich gehen, so entständen Diskrepanzen zwischen Kassa-
und Terminkurs: in. solchen Diskrepanzen liegen lohnende Gewinnchancen, deren
Ausnutzung durch entsprechende Geschäfte das Auftreten größerer Diskrepanzen
verhindert. Die unmittelbare Bremswirkung auf den Kurs der Mark in: London ist