Das Phänomen der Konsolidierung von Zahlungsbilanzsalden. 35
‚lso Mark verkaufen und sich bald wieder zurückdecken, wie das bereits mit der
ükizze auf S. 21 gezeigt wurde, Auch die Paralysierung ihrer Wirkung auf die
Devisenkurse wurde bereits behandelt. Wir kommen deshalb noch einmal auf
diese kleine Devisenspekulation zurück, weil ihre markttechnische Situation es ist,
welche bei Kurspunkt 3 die allmählich immer matter gewordene Baisse-Be-
wegung der Mark endlich zum Umschwung in die Hausse bringt.
Je mehr sich der Mark-Kursfall in London dem Kurspunkt 3 nähert, umso
mehr Mitläufer finden die bisherigen „großen“ Spekulanten, welche durch Käufe
von einer künftigen Hausse der Mark profitieren wollen. Kurz vor Punkt 3 sind es
so viel Haussiers geworden, daß der Begriff der großen Spekulation allmählich
entfällt. Das Mitläufertum bedeutet in diesem Falle, daß sich die kleine Spekulation
in 2 Parteien geteilt hat. Die eine Partei fährt mit ihren auf kurze Sicht und auf
Erzielung kleiner Gewinne abgestellten Baisse-Verkäufen von Mark — z. B. in
London — fort, während die andere Hälfte Morgenluft wittert und sich der großen
Haussespekulation anschließt, also nicht wieder von neuem Mark verkauft, son-
dern im Gegenteil nach Glattstellung ihrer alten Baisse-Engagements Mark „zu-
kauft‘, Dadurch entsteht die marktechnische Position, welche in der Skizze auf
3 94 durch die isoliert stehenden Buchstaben RRR angedeutet wurde.
Der Markt ist also geteilt, es hat sich eine gegen die bisherige Tendenz ger
richtete Contremine gebildet, die als solche Freund wie Feind gefährlich werden
kann, je nach der Richtung, in welcher sie explodiert. Käme es nämlich zu einer
weiteren Entwertung der Mark über Kurspunkt 3, also über die Goldgrenze hinaus,
so würde gerade das Mitläufertum der großen Haussespekulation und auch Teile die-
ser letzteren selbst finanziell schwach werden und durch überstürzte Reali-
sationen einen panikartigen Kurseinbruch hervorrufen. Gemildert würde der Kurs-
sinbruch nur dadurch werden, daß kleine Hände beschleunigt ihre unverhofften
„Gewinne sicherstellten‘““. Tritt dagegen der Kursumschwung bei Punkt 3 ein, so
gibt es auf dem ganzen Markt als „Primärgeschäfte‘“ — im Gegensatz zu dem
„Sekundärgeschäften‘“ der Zurückdeckung — nur Käufer, niemand will verkaufen,
sodaß für die noch nicht zurückgedeckten Baisse-Engagements der alten „kleinen“
Spekulation keine Gegenkontrahenten zur Glattstellung zu finden sind. Die über-
mütig werdende Hausse schwänzt die in Notlage befindliche Baisse-Partei auf,
Die Baisse-Partei übersteigert sich immer dringlicher selbst mit ihrer Deckungs-
nachfrage, der Kurs der Mark muß, einmal ins Steigen gekommen, in großen Sprün-
gen nach oben gehen. Auch hier erfolgt Abdrosselung allzugroßer Sprünge da-
durch, daß kleine Hände ihre bis dahin entstandenen. Gewinne „sicherstellen“,
also das A la hausse gekaufte Material nun verkaufen bzw. Verkaufsgegengeschäfte
auf Termin machen. .
Dies beleuchtet die Gefährlichkeit der Contremine, die sich kurz vor Erreichen
von Kurspunkt 3 gebildet hat. Sie entsteht aus kleinen Anfängen, wird immer
größer und lastet dann drohend auf dem Markt. So einfach, wie wir es mit unserer
schematischen Eindeutigkeit darstellen, liegt die Sache beim Geldverdienen in
der Praxis natürlich nicht, denn der Wechselkurs verläuft nicht als glatte Linie,
entsprechend den starken Linien unserer Skizze auf S. 21, sondern in für den je-
weiligen Augenblick unübersehbaren Oszillationen, wie es die Skizze durch die
dünneren zackigen Linien andeutet. Wer sich an der Contremine oder gegen sie
beteiligt, steht keineswegs vor einer so eindeutigen Zukunftsentwicklung der näch-
sten Zeit, wie es nach unseren Darlegungen scheinen könnte. Dazu ist zu berück-
sichtigen, daß wir es begrifflich bei der Goldgrenze nicht mit einem bestimmten
Goldnunkt des Wechselkurses, sondern. mit einer relativ. breiten Zone des Wechsel-