Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden,
kursverlaufes zu tun haben, innerhalb derer an den verschiedensten Punkten
Goldtransporte denkbar sind; der Goldpunkt liegt für jede beteiligte Firma ver-
schieden, und selbst für dieselbe Firma an verschiedenen Tagen verschieden‘).
Ein einzelner Kurspunkt, von dem man sagen könnte, daß er generell der Gold
yunkt sei, ist mithin nicht gegeben.
aber trotz all dieser Einschränkungen wird die Baisse-Spekulation gegen
die Mark im Auslande immer gefährlicher, je tiefer der Kurs fällt, und umso be-
Adrohlicher bildet sich eine Kontermine, welche durch das Mittel des Goldtrans-
vorts ihren Willen durchzusetzen und durch dasselbe Mittel ihr Risiko zu begrenzen
vermag. Um mit letzterem zu beginnen, können sich die Haussiers, also die Teil-
nehmer an der Kontermine, die gekaufte Mark liefern und sich für den Gegenwert
30ld aus Deutschland schicken lassen; der Erlös aus dieser Goldsendung macht,
was hier nicht näher behandelt zu werden braucht, soviel aus, wie es im Prinzip
lem Kurspunkt 3 entspricht. Sollte der Kurs also noch tiefer als Punkt 3 fallen,
so decken sich die Haussiers nicht durch Verkäufe zurück, sondern wählen den
vorstehenden Weg. Die Goldsendung bedeutet zugleich Bezahlung deutscher Schul-
Jen durch Gold, sodaß um diese deutschen Schulden, das war bis dahin Devisen-
material in London, der Markt entlastet wird. Die Goldbewegung kann auch als
Differenz-Arbitrage ohne Zusammenhang mit der Kontermine vorgenommen wer-
len, indem Marktteilnehmer die billige Mark bei Kurspunkt 3 oder noch darunter
in London kaufen und sich den Gegenwert in Gold aus Deutschland remittieren
lassen, Die Goldbewegung vermindert also das Markangebot im Auslande, und jede
Mark, die auf diese Weise aus dem Markt genommen wird, verschlechtert die durch
lie Kontermine prekäre Lage der Baissiers. Die Goldbewegung ist gewissermaßen
der letzte Tropfen, der das Faß züm Überlaufen bringt, und, einmal übergelaufen,
so ist kein Halten mehr. Es brauchen mithin keine großen Goldbewegungen zu
sein, die eintreten.
Das Prinzip des letzten Tropfens geht hier sogar noch weiter, indem schon
die bloße Möglichkeit, daß Goldtransporte einzutreten drohen, die immer stärker
isolierte Baisse-Partei zum Lösen ihrer Engagements bringt und damit den Kurs
der Mark, wie gezeigt wurde, nach oben springen läßt. Drohende Goldbewegungen
wirken als Signal für einen Umschwung des Kurses, zu eigentlichen Goldbewe-
zungen braucht es gar nicht zu kommen, wie durch meine Untersuchung über den
Frankenkurs?) für längere Jahre nachgewiesen worden ist. Dies vor allem deshalb,
weil — immer von London aus betrachtet — nunmehr der Diskont in Berlin
von der Reichsbank bestimmt erhöht wird, wenn nicht bereits vorher am freien
Markt die Diskontdifferenz gegenüber dem Auslande immer stärker zum Schutze
der deutschen Währung sich verschoben hatte, also der Privatdiskont in Berlin
höher als in London geworden ist. Dadurch aber wird die mit nunmehr höheren
Zinsen ausgestattete Mark so wertvoll, daß in London genügend Liebhaber dafür
als Käufer auftreten, sodaß sich die Baisse-Engagements nicht mehr halten.
lassen und der Umschwung mit Macht einsetzt.
Die allmählich sich verschärfende Diskontdifferenz oder das ruckartige An-
ziehen der amtlichen Diskontschraube ist also der Funke, welcher die Konter-
mine zur Explosion bringt. Über dieses Mittel verfügen wir auch heute bei den
durch die Reparations-Zahlungen lediglich quantitativ anders gearteten Devisen-
Marktverhältnissen. Sollte vorher nicht genügend Anreiz zur Übernahme deutscher
ij Schmalenbach, Der Kurs des Pfund-Sterling-Wechsels, a. a. 0. 8. 247.
?) Mahlberg, Der Kurs des Frankenwechsels, a. a. 0. S. 400.