18 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft,
Diese Beträge in den ausländischen Hauptbüchern stellt der Reparationsagent den
Entente-Regierungen zur Verfügung, welche die Beträge in der betreffenden Lan-
ädeswährung abheben und damit ihre Staatskassen füllen, Alles ist geregelt und zu-
irieden.
(I. Bei materieller, volkswirtschaftlicher Betrachtung: Inter-
national gesehen ist nichts geschehen, alles ist noch immer so, wie es vorher war.
Statt daß bisher der Reparationsagent über die bei der Reichsbank angehäuften
Reparationssummen juristisch verfügen konnte, können jetzt die Entente-Staats-
zassen über entsprechende Summen. in ihrer eigenen Währung bei ihren einheimi-
schen Banken verfügen; es sind also die ausländischen Banken, welche den auslän-
lischen Staatskassen die Summen liefern und welche sich dadurch gedeckt fühlen,
daß sie Forderungen in entsprechender Höhe an deutsche Banken haben; durch die
Auszahlung an die Entente-Staatskassen strecken die ausländischen Banken aus-
l‚ändische Gelder für deutsche Rechnung liebenswürdiger Weise vor. Effektive
Leistungen Deutschlands an das Ausland erfolgen auf diese Weise nicht, sondern
aur, wie wir sahen, durch energischen Schuhsohlenverschleiß unserer Reisenden
and Agenten im Ausland, und die Größe dieser Energie steht nicht im Kausalzusam-
menhang mit der phantastischen Finanztransaktion „Bartransfer‘, bei welcher
our Ströme von Tinte, zahllose Briefbogen und viel Hauptbuchseiten verbraucht
wurden, viel telegraphiert, telephoniert und korrespondiert wurde. Sonst aber
st alles beim alten. Der ganze „Bartransfer‘“ besteht nur aus „Zessionen‘ und
„Umbuchungen‘‘, beides in ihrem vollen technischen Sinn zu verstehen.
Auch innerwirtschaftlich ist nichts wesentliches geschehen. Nur ein wenig
andere Kreditbedingungen sind zwischen den zahlreichen, über die ganze Welt
verstreuten Gläubigern und den Schuldnern in Deutschland kontrahiert worden.
Ebenso ist es ein Irrtum, daß der Reparationsagent durch die Barzahlung der
Devisen jetzt der deutschen Wirtschaft Mark zur Verfügung gestellt habe, denn die
Beträge standen, wenn man den ganzen Zusammenhang betrachtet, schon vorher
zur Verfügung. Die Ansammlung von Steuern, Eisenbahnabgaben, Industrie-
belastungssummen usw. bei den deutschen Staatskassen ist nämlich privatwirt-
schaftliche, oder anders ausgedrückt, fiskalische Kapitalansammlung, Kapitalbildung
schlechthin. Es sind Kapitalsummen, die sich unterwegs von dem Steuerzahler
dis zum Konto des Reparationsagenten bei Finanzkassen, bei der Eisenbahn und
zuletzt bei der Reichsbank bilden. Die Beträge sind unterwegs jeweils irgendwo
angelegt, verzinslich oder unverzinslich und die hinter diesen Kapitalrechten stehen-
den Güter sind bereits irgendwo in Benutzung und tragen Frucht.
Nicht etwa werden diese Güter fein säuberlich auf Lager gelegt, bis der
Reparationsagent darüber verfügt, sondern die Gesamtwirtschaft mit ihren Tausenden
von Branchen und ihren Millionen von Einzelzellen läuft ihren gewohnten Gang,
bildet in den einzelnen Zweigen und Zeilen „etatmäßige‘“, „ausgepowerte‘“ oder
überfüllte Läger je nach Marktlage, Die Betriebe oder Zellen dehnen sich aus
oder schränken ihre Unternehmertätigkeit ein je nach den Möglichkeiten, die sie
im Augenblick als rentabel ansehen; sie disponieren über das Sozialprodukt nur
Rücksicht nehmend auf die Rentabilität, ohne Rücksicht dagegen darauf, ob sie auf
Kredit oder aus eigner Kapitalkraft darüber disponieren — einen angemessenen
Zins muß eignes wie fremdes Kapital erbringen, welche Frage zur Rentabilität
gehört. Das Sozialprodukt ist durch unserer Köpfe und Hände Arbeit vorhanden.
Daß das Eigentumsrecht daran um den Betrag von künftig 21 Milliarden Mark
jährlich von den sonst Berechtigten auf den Reparationsagenten und seine Rechts-
nachfolger „umgeschichtet‘‘ wird, macht es nicht kleiner. Das. obige Disponieren