Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

V orläufer 
357 
rische Kritik ließ es sich angelegen sein, dem seit Knies als 
Sozialisten Geltenden gerecht zu werden. Von französischen 
Arbeiten über Sismondi verdienen die eingangs zitierten von 
Aftalion und Rist gelesen zu werden. 
Dupont White war ein unter dem zweiten Kaiserreich ver 
einzelt dastehender Vorkämpfer des Interventionismus und 
Staatssozialismus*). Er hat die leitenden Ideen des Staats 
sozialismus sehr klar erfaßt und ausgedrückt. Der Lektüre der 
Werke von Comte und Littré verdankt er das Bestreben, das 
Individuum in enge Verbindung mit dem sozialen Milieu zu 
bringen, und die Idee, der Fortschritt als solcher sei das Ziel 
der menschlichen Gesellschaften. Unter dem Einflüsse Bûchez’ 
weist er dem Staate die Aufgabe zu, für den Fortschritt zu 
sorgen 1 2 ). Er begründet diese Forderung mit begeisterten Dithy 
ramben, denen die Idee zugrunde liegt, der Staat habe einen 
weit hohem sittlichen Wert als das Individuum 3 ). Mit großer 
Schärfe arbeitet Dupont-White den evolution!stischen Ge 
danken heraus, daß der Wirkungskreis des Staates sich mit 
zunehmender Kultur notwendig erweitere. Das mit dem Fort 
schritt der Kultur sich ausdehnende wirtschaftliche Betätigungs 
gebiet des Staates umfaßt: Wohltätigkeit und Nächstenliebe; 
staatliche Inangriffnahme gewerblicher Betriebe ; sukzessive 
Schutzmaßnahmen für die Arbeit von Frauen, Kindern und 
Sklaven ; Beeinflussung der Güterverteilung in einer dem Fühlen 
einer jeden Epoche entsprechenden Weise mittels „einer den 
hohem Klassen aufzuerlegenden Steuer, deren Ertrag zur 
1 ) Von Dupont-Whites Werken behandeln volkswirtschaftliche Fragen: 
Capital et Travail, Paris 1847. — LTndividu et FE tat, Paris 1856, erlebte 
mehrere Auflagen. — Eine mit Einleitung versehene Übersetzung von Stuart 
Mills Liberty, Paris 1860. — Ferner mehrere Artikel, die in der Revue des 
Deux Mondes erschienen sind. 
2 ) Der Staat, den Dupont-White meint, ist der Staat von 1789, der mo 
derne konstitutionelle Staat. 
3 ) Z. B. „Der Staat ist das Prinzip dessen, was in uns das Höchste ist. . . . 
Der Staat ist der Mensch ohne Leidenschaften, der Mensch auf einer Höhe, wo 
er mit der Wahrheit selbst in Verkehr tritt, wo er nur Gott und seinem Ge 
wissen begegnet. . . . Der Staat ist ein Zwischenwesen zwischen den Individuen 
und der Vorsehung . . ., der Mittler zwischen der absoluten Vernunft und dem 
menschlichen Geist.“ Dupont-White, LTndividu et l’Etat, p. 163 if., p. 165- 
Ähnliche Stellen passim durch das ganze Buch.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.