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lich endgültig bewiesen haben werden. Indem wir von der Psy-
chologie und der Personalökonomik zur Marktwirtschaft und Na-
tionalökonomik weiterschreiten, haben wir den Schritt von der
Sozialpsychologie zur eigentlichen Soziologie gemacht: „Wir be-
trachten die Dinge nicht mehr in bezug auf ihre seelischen Wur-
zeln im Individuum, nicht mehr als ‚subjektive Bewußseinsinhalte‘,
die auf Verwirklichung in Betätigung drängen, sondern als ob-
jektive Strukturen und Funktionen ‚der lebendigen
Einheit ‚Gesellschaft‘,!)“
In dieser Betrachtung ist das Psychologische überall aus-
gelöscht. Es interessiert nicht mehr, weil es sich in objektive
Quanten „entäußert‘“ hat. Man wird das aus einem Beispiel leicht
verstehen: ein Dynamo muß durch irgendeine Kraft angetrieben
werden, durch Verbrennungswärme oder Wassergefälle oder mensch-
liche oder tierische Muskelkraft oder Wind usw. Aber im Apparat
selbst entsteht jetzt eine völlig neue Kraft, die Elektrizität.
Und es ist zwar gut zu wissen, daß Elektrizität ihrem Ursprung
nach nichts anderes ist als transformierte mechanische oder ther-
mische oder animalische Energie: aber damit ist für das Wesen
und vor allen Dingen für die Messung der Elektrizität als
einer ganz neuen Erscheinungsform der allgemeinen Energie nicht
das mindeste gewonnen. Wenn der Dynamo von Wassergefälle
betrieben wird, dürfen wir die Elektrizität doch nicht nach Kilo-
grammetern messen; und ebensowenig nach Kalorien, wenn der
Dynamo von tierischer oder menschlicher Kraft oder Verbrennungs-
wärme getrieben wird. Wir müssen sie immer und in jedem Falle
messen nach den für sie geltenden spezifischen Maßeinheiten, nach
Watt, Volt, Ohm usw.
Diese Ergebnisse sind sinngemäß auf das Verhältnis der
psychologischen vorwirtschaftlichen Erwägung und des markt-
wirtschaftlichen Mechanismus anzuwenden. Dann wird die un-
geheuere Verwirrung endlich ein Ende nehmen, von der heute auch
unsere besten jüngeren Köpfe heimgesucht sind, das Suchen nach
dem Unmöglichen: nach einer als Einheit sowohl für die psycho-
logische Grundlegung wie für die marktwirtschaftliche‘' Mechanik
gültigen Maßeinheit, Aus dieser Verwirrung sucht z. B. ein Mann
von dem Scharfsinn eines Ernst Schuster in seiner Abhandlung:
„Untersuchungen zur Frage nach der Möglichkeit einer theoretischen
Wirtschaftswissenschaft“ (1922) vergeblich einen Ausweg. Und ist
1) Unsere Allgemeine Soziologie, S. 445.