Full text : Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

6 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft,
denn den Schaden, den er durch den Steuernachlaß im Porzellanladen des englischen
 Wirtschaftskreislaufs anrichtet, erkennt der einfache Mann aus dem Volke
nicht als solchen, sodaß der entstehende Schaden anderen Ministerkollegen angekreidet
 wird, dem Wirtschafts- oder dem Arbeitsminister usw, Die Steuerreduzierung
 bedeutet, daß die englische Regierung die mit dem Gelde erstellten Dienstund
 Sachleistungen. ihrer Betriebsstellen gratis abgibt, statt daß diese von den
Steuerzahlern bezahlt werden. Wir wollen letztere die „Nichtsteuerzahler‘‘ nennen.
Dann ergibt sich folgendes:
1. Die „Nichtsteuerzahler‘“ stellen nach einiger Zeit fest, a) daß die Rentabilität
 ihrer Betriebe gestiegen, ihr Aufwand in Betrieb und Haushalt gesunken ist,
ihre Gewinne bzw. Überschüsse sich vergrößert haben um den Betrag der nicht ‚gezahlten
 Steuer, daß sich Kapital insoweit bei ihnen gebildet hat; b) daß sie dadurch
relativ flüssig sind, der einzelne und alle zusammen, weil sie die Summen nicht zu
bezahlen brauchten bzw. was dasselbe ist, weil zu ihren sonstigen flüssigen Mitteln
die „Bankguthaben‘“ bei Baring Brothers & Co. hinzukommen.
2. Daraufhin — und zwar aus beiden Motiven, der größeren Gewinn- oder
Überschußerzielung und der Geldflüssigkeit — treten die „Nichtsteuerzahler‘
unternehmend in den Kreislauf der englischen Wirtschaft ein. Der eine vergrößert
seine Fabrik, der zweite gründet eine neue Spinnerei, der dritte eine ärztliche
Praxis, der vierte kauft sich das lang ersehnte Ruderboot, der fünfte läßt seinen
Sohn studieren usw, Auch die Spartätigkeit wird verstärkt, aber nicht im Umfange
ler ganzen Reparationszahlung bzw. Steuerersparung, denn die vorstehend aufgeführten
 „Unternehmer“ (Disponenten über das volkswirtschaftliche Kapital)
„sparen“ nicht, sondern leiten ihre durch Nichtsteuerzahlung ersparte, durch ihrer
Köpfe oder Hände erworbene Kaufkraft an ihre Lieferanten weiter, Der vorstehende
Satz ist im wesentlichen falsch, denn die vermehrte Spartätigkeit bedeutet nur, daß
die ersparte Kaufkraft von den Sparkassen, Banken usw. bzw. von deren Schuldern
kaufend im Markt ausgeübt wird, sodaß auch für diese Beträge irgendwelche .Dinge
„unternommen“ werden; nur wenn die obigen sparenden „Nichtsteuerzahler‘“ oder
ihre Nachmänner für die Ersparnisse deutsche Forderungen, kurz- oder langfristige,
 ins Eigentum und damit Risiko übernähmen, fiele ihre Kaufkraft weg.
3. Was tun die Lieferanten. der „Nichtsteuerzahler‘‘? Sie leiten die verstärkten
 Einnahmen weiter an ihre Vorlieferanten, diese an ihre Vorlieferanten
usw. usw. — z. B. Maschinenfabrik an Stahlwerk, dieses am Kohlenzeche,
weiter an Grubenholzlieferant, Forstverwaltung, Löhne für Waldpersonal, von da
an Lieferanten für Kleidung, Wohnung, Nahrung, weiter an deren Lieferanten usw.
eine unendliche Kette, Auf der ganzen Linie entsteht eine Umsatzsteigerung im
Kreislauf der englischen Wirtschaft. Das wiederum führt zu steigenden Gewinnen
und Überschüssen, also zu verstärkter Kapitalbildung, aber — wie jedem Gewinn,
 d, i Kapitalbildung — steht diesen Beträgen bereits irgendwo ein Aktivum
gegenüber, sodaß nicht etwa die so ersparten privatwirtschaftlichen Kapitalien
zeeignet sind, die Guthaben bei Baring Brothers & Co, oder was dasselbe ist, die
deutschen Aktiva der Firmen A, B.; C. D.; E. F.; G. H. ‚usw. der Illustration 13
ins Eigentum, also auf die Aktivseite der entsprechenden Bilanzen zu übernehmen,
Die Geldflüssigkeit hält also trotz großer Umsätze und Kapitalbildung an. — Die Lieferanten
 der „Nichtsteuerzahler‘“, deren Vorlieferanten, deren Vorvorlieferanten usw.
erkennen den großen Umsatz, der wegen seines Umfangs nicht zu fallenden sondern
zu steigenden Preisen führt, die gute Gewinne ermöglichen; sie sehen den flüssigen
Geldmarkt, reichliches Kapitalangebot "und unternehmen infolgedessen ihrerseits
ebenfalls Neues, Sie fangen an zu bauen, neue Organisationen zu schaffen, ihren
            
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