Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

BELGIEN. — Sociales. 
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thümcr, und ausserdem drückt die Abgabenlast, so weit sie von dem 
viel zu hohen Militäretat (verçl. »Schweiz« S. 356), von der dem Lande 
aufgebürdeten Theilnahme an der holländischen Schuld, und von den 
laufenden Deficiten herrührt. — Selbst die Anfangsgründe des gewöhn 
lichen Unterrichts sind (bei der Herrschaft des Klerus über die Schulen) 
wenig verbreitet. Von den Conscribirten der Jahre 1851 , 1856 und 
1859 konnten 
nicht lesen u. schreiben 
nur lesen 
lesen und schreiben . . 
mehr als dies .... 
1851 
14,233 
4,213 
9,843 
19,653 
1856 
13,343 
3,778 
9,718 
12,901 
1859 
13,933 
3,211 
11,200 
14,407 
1861 
14,158 
3,092 
12,030 
15.020 
Ebenso konnten von 1000 Sträflingen beim Eintritt in die Zuchthäuser: 
1850 1855 
nicht lesen noch schreiben 550 500 
nur lesen 295 203 
lesen und schreiben 
mehr als dies 
1850 1855 
130 157 
18 14 
Das Schulwesen ist in jeder Beziehung in ungenügendem Zustande. 
In den Jahren 1852 — 60 wurden allerdings 8’289,290 Fres, für Schul 
häuser ausgegeben, während bis 1851 zus. nur 4’754,724 dafür ver 
wendet worden waren. Auch hatte sich die Zahl der Gemeindeschulen 
um 362 vermehrt. Dagegen war die Gesammtsumme der öffentl. und 
Privatschulen (ohne die Institute) von 5520 im Jahre 1851 auf 5322 im 
Jahre 1860 herabgegangen. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug 
schon 1856 699,731; dagegen fanden sich 1860 erst 515,892 in die 
Schulregister überhaupt nur eingetragen. Hinwieder stieg die Zahl der 
Klosterbewohner von 1 1,968 am 15. Oct. 1846, auf 14,853 am 31. Dec. 
1856 (2523 Mönche in 150 Klöstern und 12,330 Nonnen in 812). In 
dem Commissionsberichte über das Wohlthätigkeitsgesctz (Kammerver 
handlung vom April 1857) ward nach amtl. Erhebungen angegeben : Von 
den 908,000 Familien, welche Belgien umfasst, leben 89,630 in guten, 
373,000 in gedrückten Verhältnissen und 446,0(M) im Elend, 266,000 
xler letzten geniessen öffentliche Unterstützungen. Es sind also von 100 
Belgiern 9 wohlhabend, 42 in mehr oder minder misslicher, 49 in ganz 
übler Lage. — Die Zahl der bekannten Bettler betrug am 1. Oct. 1856 
88,019, wovon 48,041 männlichen Geschlechts! am wenigsten in dem 
dünn bevölkerten Luxemburg 1 778 ; dagegen im industriereichen Lüttich 
17,097 ; am meisten in Ostflandern, 37,217, in Westflandem 12,760, 
in Brabant 1 1,760, Hennegau 8828, Antwerpen 5879, Namur 5450, 
Limburg 2550. 
Zahl der Strilßwge in den Centralgefängnissen: Ende 1857, 5192, 
1858 4575, 1859 4517, 1860 4078, 1861 3773, 1862 3789: — so 
nach ansehnliche Verminderung. 
lierg- und Hüttenwesen, ISOl. 193 Kohlengruben im Betriebe, über 93,579 
Hectareii sich erstreckend, mit 81,075 Arbeitern (einsch 1. 7890 Frauen, 5380 
Mädchen und 10,090 Jungen) lieferten 10’057,103 Tonnen im Werthe von 
110’014,977 Fres. ; davon wurden 0’078,112 Tonnen im Lande selbst verbraucht. 
(Die Gruben im Hennegau lieferten zu obiger Summe 7*935,045, die in der Prov. 
I.üttich nur 1*878,457 Tonn ). Die Ausbeutekosten werden zu 100*239,278 Fres, 
angegeben, wovon 59*184,080 Arbeitslöhne. Verwendet waren bei den Kohlen 
werken 991 Dampfmaschinen mit 50,030 Pferdekraft. — Die übrigen Berg 
werke hatten 11,450 Arbeiter und eine Werthproduction von 15 Mill. Fres. Die 
Gesammtzahl der Bergleute war 93,131 ; die der Unglücksfälle im Jahre 220;
	        
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