Full text: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

B4 Die Sabofage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft. 
bar erweisen, weil sie zur Ausführung mindestens genau soviel flüssiges franzö- 
sisches und belgisches Kapital binden, wie der von deutscher Seite gelieferte 
Materialanteil ausmacht. — Die Sachlieferungen machen für die deutsche Arbeit 
unbewußt eine riesige Reklame, sie ziehen weitere Bestellungen nach sich, die 
nicht über Entschädigungskonto bezahlt werden, und wirken sich aus als ein Teil 
der Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft 1).“ 
Die Sachlieferungen stellen eine doppelte Zwangswirtschaft dar, Zunächst wird 
das die Sachlieferungen repräsentierende privatwirtschaftliche Kapital durch den 
Zwang der Reparationsabgabe in Deutschland gebildet und dann auf dem Wege über 
die Verrechnung — Reparationsagent — Ententestaatskassen — an Staatsangehörige 
der Empfangsländer übertragen. Daneben läuft der zweite zwangswirtschaftliche 
Prozeß dahingehend, daß von irgendwelchen „grünen Tischen“ der Empfangs- 
länder die Warenarten und Quantitäten, welche zwangsgeliefert werden sollen, fest- 
gestellt werden. Die Sachlieferungen sind Export aus Deutschland, der erfolgt, 
nicht weil er privatwirtschaftlicher Initiative entspringt und damit „im Zweifel‘ 
volkswirtschaftlich rentabel ist, sondern weil der Machtspruch einer Ideologie es 
befiehlt und durchsetzt. Immerhin aber bleibt es Export, an dem unsere 
deutschen Werke zudem recht gut verdienen, und der von der deutschen 
Regierung bezahlt wird. Es leuchtet ein, daß eine doppelte Zwangswirtschaft mit 
doppelten Mängeln und Störungen für die weltwirtschaftliche Harmonie verbunden 
sein muß. In Abschnitt c) dieses Kapitels haben wir gezeigt, daß auch die Sach- 
lieferungen, wenn sie eine strafweise Tributzahlung sein sollen, einen Schlag ins 
Wasser bedeuten. 
Im Anschluß an den soeben erledigten Abschnitt 2ea ist noch darauf hinzu- 
weisen, daß hier die Frage der Kapitaldisposition in Frankreich, England, Bel- 
gien usw. ein wenig anders, aber kaum besser liegt. Die französischen Steuerzahler 
z. B. brauchen im Betrag der Sachlieferungen aus ihrem Einkommen keinen Teil 
zur Deckung des Staatsbedarfs abzugeben. Sie können also über diese Einkommens- 
teile nach ihrer Wahl verfügen, d. h. sie disponieren über Teile der französischen 
Produktion, so wie sie das für richtig halten. Trotzdem verbraucht natür- 
lich die französische Regierung Güter ‚und Dienstleistungen, welche ihr nicht 
gezehntet wurden, in ihrem Ausgabeetat, d. h. sie disponiert von sich aus noch 
einmal über die obige französische Produktion. Außerdem hat sie, wenn auch 
unter „Beratung‘“ durch die betr, Interessentenkreise, welche die Sachlieferungen 
empfangen, vom grünen Tisch aus, mehr oder weniger einhirnig die Einfuhr von 
Sachlieferungen. disponiert und zahlt mit dem privatwirtschaftlichen Kapitalgegen- 
wert derselben ihre Staatslieferanten. Auf dem Wege über die Staatslieferanten 
kommen diese Kapitalrechte in die Hand von Sparern, deren Kapital so zwangs- 
weise in Anlagen investiert ist, welche durch zwangswirtschaftliche Einhirnigkeit 
recht und schlecht entstanden sind und ohne die volkswirtschaftlich ridiculen 
Sachlieferungen in dieser Form gewiß nicht entstanden wären. 
Zwar kommen jetzt gütermäßig-aktivisch betrachtet auf 2 Teile französisches 
Kapital 2 Teile Kapitaltitres, während im Gegensatz hierzu beim Barzahlungs- 
system 1 Teil Güter auf 2 Teile Kapitalrechte entfällt, aber die Freude ist durch 
die Einhirnigkeit der gütermäßig-aktivischen Assortierung vergällt und außerdem 
von kurzer Dauer, wie wir früher gesehen haben. Denn gleichzeitig mit den 
Sachlieferungen von Deutschland nach Frankreich, Belgien usw. gehen Exporte 
1) Die uneinheitliche Haltung zum Dawesplan, Zuschrift aus „Kreisen der Groß- 
wirtschaft‘ an die Kölnische Zeitung vom 13. 9. 27.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.