Full text: Das Jungdeutsche Manifest

Nur der Kampf spannt die Muskeln; die träge Ruhe läßt sie er— 
schlaffen. Auch der Geist ist nur lebendig, wenn er ringen und 
kämpfen muß. Im Zustand der Kampflosigkeit wird er müde und 
schlapp. Eine Führerschaft also, deren Geist lebendig und frisch er— 
halten werden soll, darf nicht das Gefühl haben, daß sie nicht zu 
kämpfen braucht. Der Kampf, der die geistigen Kräfte am besten 
cege hält, ist der Kampf um das Dasein. Ist dieser Kampf für eine 
politische Führerschaft nicht vorhanden, so impft man ihr die Träg— 
heit ein. Den Beamten ist dieser Kampf durch die Gesetze der Ver— 
sorgung und des lebensfristigen Anstellungsvertrages genommen. 
Ermuß auch dem Beamten genommen werden, dessen 
zanze Aufgabe in gewissenhafter und treuer Verwal— 
tung besteht. 
Man kann diesen Kampf aber nicht ohne weiteres aus der Lauf— 
bahn derer ausschalten, deren Aufgabe in schöpferischer Gestaltung 
besteht. Der beamtete Verwalter soll vor Sorgen geschützt werden, 
damit er nicht in Versuchung kommt. Der politische Führer aber soll 
nicht ohne weiteres vor Sorgen geschützt werden, damit er im Kampf 
jür seine Erhöhung zur höchsten Entwicklung seiner Gaben gezwungen 
wirb. 
Jene schöpferische Spannkraft, welche den Wert des politischen 
Führers ausmacht, fußt in den sittlichen Kräften, die nur ein ernster 
und auch sorgenvoller Kampf für ein bestimmtes Ziel auslöst. 
Fuhrerschaft der Auslese 
Die Überzeugung, daß sowohl die Beamtenführerschaft als auch 
die moderne Wahlführerschaft ben Anforderungen des Zukunftsstaates 
nicht gewachsen sind, hat auf der Suche nach neuen Systemen auch 
das System der Auslese in die Erörterung gestellt. Die Bestrebungen, 
Führerpersönlichkeiten zu erziehen, sind von vielen namhaften Po— 
litikern gepflegt worden. 
Man hat politische Führerschulen gebildet, die sich 
zur Aufgabe gemacht haben, nach neuen Richtlinten be« 
sonders die Jugend zu Führern zu erziehen. 
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