Nur der Kampf spannt die Muskeln; die träge Ruhe läßt sie er—
schlaffen. Auch der Geist ist nur lebendig, wenn er ringen und
kämpfen muß. Im Zustand der Kampflosigkeit wird er müde und
schlapp. Eine Führerschaft also, deren Geist lebendig und frisch er—
halten werden soll, darf nicht das Gefühl haben, daß sie nicht zu
kämpfen braucht. Der Kampf, der die geistigen Kräfte am besten
cege hält, ist der Kampf um das Dasein. Ist dieser Kampf für eine
politische Führerschaft nicht vorhanden, so impft man ihr die Träg—
heit ein. Den Beamten ist dieser Kampf durch die Gesetze der Ver—
sorgung und des lebensfristigen Anstellungsvertrages genommen.
Ermuß auch dem Beamten genommen werden, dessen
zanze Aufgabe in gewissenhafter und treuer Verwal—
tung besteht.
Man kann diesen Kampf aber nicht ohne weiteres aus der Lauf—
bahn derer ausschalten, deren Aufgabe in schöpferischer Gestaltung
besteht. Der beamtete Verwalter soll vor Sorgen geschützt werden,
damit er nicht in Versuchung kommt. Der politische Führer aber soll
nicht ohne weiteres vor Sorgen geschützt werden, damit er im Kampf
jür seine Erhöhung zur höchsten Entwicklung seiner Gaben gezwungen
wirb.
Jene schöpferische Spannkraft, welche den Wert des politischen
Führers ausmacht, fußt in den sittlichen Kräften, die nur ein ernster
und auch sorgenvoller Kampf für ein bestimmtes Ziel auslöst.
Fuhrerschaft der Auslese
Die Überzeugung, daß sowohl die Beamtenführerschaft als auch
die moderne Wahlführerschaft ben Anforderungen des Zukunftsstaates
nicht gewachsen sind, hat auf der Suche nach neuen Systemen auch
das System der Auslese in die Erörterung gestellt. Die Bestrebungen,
Führerpersönlichkeiten zu erziehen, sind von vielen namhaften Po—
litikern gepflegt worden.
Man hat politische Führerschulen gebildet, die sich
zur Aufgabe gemacht haben, nach neuen Richtlinten be«
sonders die Jugend zu Führern zu erziehen.
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