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machen. Es gibt weite deutsche Kreise, welche mit ihrem Bekenntnis
zum Pazifismus durchaus nicht die Pflege der Wehrkraft verneinen.
Sie wenden sich nur gegen einen Krieg, der seinen Ursprung nicht
in der Sorge für das Leben der Nation hat.
Abrüstung
Die Pazifisten erblicken die Sicherung des Friedens in der Ab—
rüstung der Heere und Flotten. Eine solche Abrüstung ist in keiner
Weise in der Lage, die Entstehung von Kriegen zu verhindern. An
und für sich sind alle Reden von Abrüstung leere Phrasen.
Es rüstet nur das Volk ab, das dazu gezwungen wird
oder ein solches, das auf Grund seiner Machtverhält—
nisse doch nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu ver—
eidigen.
Aber auch wenn der Gedanke der Abrüstung Boden gewönne und
oerwirklicht würde, so ist damit die Gefahr des Krieges in keiner
Weise beseitigt. Unter Abrüstung versteht man die Einschränkung
der Rüstung. Abrüstungsverträge der Völker können in der Ver—
oflichtung bestehen, die Stärke der stehenden Heere zu vermindern
oder gewisse Kriegsmittel nicht mehr herzustellen. Damit würde aber
die Gefahr des Krieges nicht beseitigt sein. Es würde sich nur das
Vorhandensein oder der Gebrauch von Kriegsmitteln ändern.
Der Utopie, daß es keinen Krieg mehr geben würde,
wenn die schweren Geschütze abgeschafft wären, ist ent—
gegenzuhalten, daß es bereits Kriege gab, als man
noch gar keine Geschütze besaß.
Auch die einzelnen Staaten selbst können keine Gewähr für die
unbedingte Erhaltung des Friedens bieten. Es kann in einem Lande,
das alle Verpflichtungen für die Wahrung des Friedens eingegangen
ist, einen plötzlichen Umsturz geben. Es kann eine Gewaltnatur eine
bewaffnete Macht um sich sammeln, den Staat stürzen und den
Bürgerkrieg in einen Krieg mit den Nachbarn verwandeln. Es kann
ein unterdrücktes Volk oder ein in seinen Lebensnotwendigkeiten be—
drängtes Volk in der Erkenntnis seiner tiefsten Not zu den Waffen
greifen.
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