Full text: Das Jungdeutsche Manifest

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in glanzvoller Kaisermacht. In diesen Abschnitt deutscher Geschichte 
fällt die Kolonisation des Ostens durch die gewaltigen Taten des 
Deutschen Ritterordens. Das deutsche Städtewesen entwickelt sich unter 
dem Schutz der Hansa zu einer ungeahnten Blüte. Diese Aktivität 
deutschen Volkstums beruht auf einer dem deutschen Wesen angepaßten 
Staatsordnung. Der Übermittler der staatlichen Gewalt, der Kaiser—⸗ 
gewalt, ist auf Grund dieser Staatsordnung als wirklicher Führer mit 
seiner Gefolgschaft verbunden. In seinen Händen liegt eine starke 
Gewalt, aber auch die Umrandung seiner Gewalt durch ein Recht, 
welches dem deutschen Wesen und deutschen Empfindungen entspricht, 
das deutsche Recht. Seine Rechtsbegriffe legen dem Führer die Pflicht 
auf, Leben, Ehre und Eigentum der ihm anvertrauten Volksgenossen 
zu schützen. Die Führergewalt als solche erscheint den deutschen Kultur— 
begriffen dieser Zeit als Schirmherrschaft zu Nutzen des Einzelnen 
und des ganzen Reiches. Der urdeutsche Begriff von Freiheit, Recht 
und Pflicht bestimmt das Wesen der staatlichen Ordnung jener Zeit. 
Die herrlichsten Denkmäler einer vollendeten Kunst, himmelanstrebende 
gotische Dome, erinnern noch heute an die geistige Schwungkraft jener 
Zeit. Mit dem Ende der Hohenstaufen endet auch die Epoche deutschen 
Aufstieges, um sich im Anfang des 16. Jahrhunderts in Stillstand 
und Niedergang zu verwandeln. 
In dieser zweiten Epoche deutscher Geschichte geht Land auf Land 
verloren. Die Niederlande und die Schweiz lösen sich vom Deutschen 
Reich. Die Kultur anderer Länder erweist sich als stärker wie die 
deutsche Kultur. Der Reichsgedanke geht verloren. Die Kaisergewalt 
wird zu einem ohnmächtigen Schatten. Bruderkriege zertreten den 
beutschen Wohlstand. Selbst kleine Völker können ungestraft die Kriegs— 
fackeln sengend und brennend durch deutsche Lande tragen. Mitten im 
Frieden reißt Ludwig XIV. kerndeutsche Provinzen vom Deutschen 
Reiche los und verleibt sie seinem Lande ein. Der Glaube an die 
Kraft des eigenen Volkstums sinkt so weit, daß Deutsche auf seiten 
fremder Machthaber gegen ihr eigenes Volk kämpfen. Diejenigen Volks⸗ 
teile, welche das Deutsche Reich verlassen, gehen in der Kultur der 
anderen Länder auf und wenden sich von ihrem eigenen Volkstum ab. 
Eine vorübergehende Zeit des Aufstieges im Zeichen des Hohenzollern⸗ 
reiches geht nicht so tief, daß die alte Werbekraft deutschen Volkstums 
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