Volk besitzt besonders in seinen östlichen Gebieten noch Siedlungs—
möglichkeiten. Der Anreiz zu dieser Siedlung ist aber nur dann von
Erfolg, wenn sie in großzügigster Form durchgeführt wird. Zu
dieser Durchführung fehlte bei allen bisherigen Versuchen das not—
wendige Kapital. Die bisher geschaffenen Siedlungskolonien sind aus
diesem Grunde vielfach lebensunfähig.
Es ist die Aufgabe der Volksdienstpflicht, solche
Siedlungen zu schaffen, welche den Siedlern einen wirk—
lichen Vorteil bringen. Aus diesem Grunde müssen
lebensfähige Gemeinwesen geschaffen werden.
Es ist zu unterscheiden zwischen bäuerlichen Siedlungen, welche
der landwirtschaftlichen Produktion dienen, und Kleinsiedlungen.
Der Zweck der Kleinsiedlungen besteht darin, den aus dem Wirt—
schaftsprozeß durch Alter ausgeschiedenen Angestellten und Arbeitern
die Möglichkeit eines Ruhesitzes zu verschaffen, in dem sie ihre ge⸗
minderte Arbeitsfähigkeit noch verwenden können.
Der Mangel an Volksvermögen macht sich am emp⸗
findlichsten in der Wohnungsfrage geltend.
Die größte Zahl der Familien besitzt heute kein eigenes Heim.
Gerade in den Großstädten führt die Wohnungsnot zur Schädigung
der Volksgesundheit in seelischer wie in körperlicher Beziehung. Zur
Beseitigung dieses Wohnungselends ist es notwendig, die unproduktiv
gewordenen Volkskreise aus den übervölkerten Großstädten in neu—
geschaffene Siedlungen zu verpflanzen. Die Vorbedingung hierzu
besteht darin, den Anreiz zur Wanderung durch Verbesserung der
Lebensbedingungen zu erhöhen.
Es ist Sache der Kolonisation, durch die Volksdienstpflicht auf
dem ihr zur Verfügung stehenden Lande einen solchen Typ von
Siedlungen zu bauen, welcher den gestellten Anforderungen ent⸗—
spricht. Sache der Finanzverwaltung der Volksdienstpflicht ist es,
Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen, zu denen die in Frage kommenden
Familien in der Lage sind, das neue Heim zu beziehen. Arbeiter und
Angestellte müssen in der Lage sein, sich durch regelmäßige Ein—
zahlung ein Heim in den Siedlungen erwerben zu können. Die
Schaffung einer lebensfähigen Siedlung gibt auch neue Erwerbs—
möglichkeiten für das Handwerk.
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