Full text: Das Jungdeutsche Manifest

der Rechtsfrage Möglichkeiten gegeben sind, insbesondere in der Presse 
rreführende Nachrichten in ausreichenderer Form richtigzustellen, wie 
das bei den heutigen Gesetzen möglich ist. 
Die Ehre ist das höchste Gut des Staatsbürgers. 
Das heutige Rechtswesen schreitet im Namen des Staates gegen 
die Entwendung des geringsten Sachwertes ein. Der Schutz des 
höchsten Gutes, der Ehre, wird vom Rechtswesen des heutigen Staates 
in ungenügender Weise wahrgenommen. 
Das Staatsbürgertum des Volksstaates fordert den 
richterlichen Schutz der Ehre nach denselben Grundsätzen, 
nach denen der Schutz der materiellen Güter erfolgt. 
Es fordert die Bestrafung des Diebstahles an der Ehre 
in dem gleichen Maße wie die des Diebstahles an der 
Sache. 
Eine Gemeinschaft ist ohne richterlichen Schutz der ideellen Güter 
undenkbar. 
Der Volksstaat und die Arbeiterschaft 
Die Entwicklung Deutschlands zum Industriestaat hat einen außer⸗ 
ordentlich starken Arbeiterstand geschaffen. Die Revolution stand unter 
dem Zeichen der Erhebung des Arbeiterstandes, der in langem Kampfe 
danach getrachtet hatte, besondere soziale Rechte zu erwerben. Die or⸗ 
zanisierte Arbeiterschaft war nach dem Zusammenbruch des alten 
Staates der einzige große Machtfaktor, auf den sich der neue Staat 
stützen konnte. 
Inder Verfassung von Weimar glaubte die Arbeiter— 
schaft ihre Wünsche und Rechte gesichert. Die Entwick— 
lung der modernen Republik zur Plutokratie gefährdet 
die neu erworbenen Rechte der Arbeiterschaft. 
Im Volksstaat sind die Spitzenorganisationen der organisierten 
Arbeiterschaft in der Wirtschaftskammer vereinigt. Die Arbeiterschaft 
hat also auf dem Wege über diese Wirtschaftskammer die Möglichkeit, 
ihre Interessen zu verteidigen. Alle die Wirtschaft und das Berufs— 
leben betreffenden Regelungen bedürfen der Zustimmung der Wirt-— 
schafts kammer. 
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