Full text: Das Jungdeutsche Manifest

Der Kampf gilt der politischen Herrschaft der Geldmächte über 
den Staat. Die plutokratische Propaganda versucht, den jungdeutschen 
Kampf gegen die Plutokratie immer als gleichbedeutend mit dem 
Kampf gegen das Kapital hinzustellen. Dieses ist in keiner Weise 
zutreffend. Die Kapitalsbildung ist ein notwendiger Prozeß im Wirt⸗ 
schaftsleben. Das Kapital an sich stellt nur eine Forderung an den 
Staat, nämlich die des Schutzes für das Wirtschaftsleben. Er erfolgt 
m der Sicherung der Ordnung und im Schutz der Wirtschaft vor 
Maßnahmen, die ihre Entwicklung hemmen. Die Plutokratie beginnt 
erst dort, wo die großen Geldmächte sich in den Besitz der politischen 
Bewalt setzen, um die Ausbreitung ihrer Macht auf dem Wege über 
den Staat zu betreiben. 
Die Frage der Wirtschaftsordnung, der Pflichten 
aund Leistungen des Besitzes gehört nicht in das Gebiet 
der Struktur des Volksstaates. Es ist dies eine Frage 
der Auseinandersetzung zwischen Staat und Wirtschaft. 
Diese Auseinandersetzung erfolgt im Volksstaat in der Zusammen⸗ 
arbeit zwischen Kapitel und Kammer. Die Kammer der Wirtschaft hat 
hier das Recht, Maßnahmen und Gesetze abzulehnen, die der gesunden 
Entwicklung der Wirtschaft hinderlich sind. Die Wirtschaft hat aber 
im Volksstaat nicht das Recht, Maßnahmen und Gesetze herbei— 
zuführen, die das ganze politische Leben der Nation bestimmen. 
Wahlkampf und Volksstaat 
Die moderne parteiistische Republik erteilt den parlamentarischen 
Führern ihr Amt auf begrenzte Zeit. Nach Ablauf dieser Zeit werden 
Reuwahlen oft gleichzeitig für Reich, Länder und Gemeinden aus— 
zeschrieben. Hiermit wird die gesamte Führerschaft auf einmal ab— 
gesetzt. Es ergeben sich vollkommen neue Verhältnisse. 
Der Lauf der Entwicklung wird aufeinmal jäh unter— 
brochen. 
Bei der großen Bedeutung und dem Umfange der auf diesem 
Wege gezeitigten Neuwahlen ruft der damit verbundene Wahlkampf 
auch eine entsprechende Erregung der Geister hervor. Ein solcher 
riesenhafter Wechsel in der Gesamtführung des Staates muß immer 
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