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Gegenputsch. Wieder war die Politik des Jungdeutschen Ordens
umstritten, weil er im Gegensatz zu den Erfolgsmöglichkeiten des
Putschismus die langsame Evolution für den richtigen Weg hielt.
Der Jungdeutsche Orden lehrte:
Die Macht gewinnen ist eine nebensächliche Sache.
Die Macht zu halten ist schwer. Macht kann nur mit
Ideen verbunden sein. Die nationale Bewegung konnte
sich nicht zur Macht entwickeln, weil sie keine Ideen
zesaß.
Im Kapp⸗Putsch war es der alten Führerschaft noch einmal ge—
lungen, die Macht durch einen Staatsstreich an sich zu reißen. Sie
berlor diese Macht wieder, weil sie, vollkommen ideenlos, zu jeder
Handlung unfähig war. Der letzte Versuch, die nationale Bewegung
durch Hervorkehrung nebensächlicher Zielpunkte von ihrer geschicht—
lichen Sendung abzuhalten, besteht in der Hervorkehrung der Flaggen—
gegensätze. Unfähig, eine mitreißende Idee an die Spitze allen Wollens
und allen Willens zu setzen, stellt man äußere Symbole in den
Vordergrund.
Weil der Jungdeutsche Orden erkannt hat, daß die
zinzig mögliche Idee, mit der die nationale Bewegung
unseres Volkes und unserer Zeit ihre Kräfte in Fluß
bringen kann, zu einer völlig neuen Frontbildung
führen muß, hat er sich von der bisherigen nationalen
Bewegung gelöst.
Solange die Gemeinsamkeit der Idee nicht zur Grundlage der
Bundesgenossenschaft wird, kann der Jungdeutsche Orden in keinem
Bundesgenossen einen Kampfgenossen sehen. Solange die großen
Brundfragen des Kampfzieles in der nationalen Bewegung noch nicht
klar sind, ist an eine neue Frontbildung nicht zu denken.
Nachdem sich aber der Jungdeutsche Orden von allen anderen
Bindungen gelöst hat, hält er es für seine Pflicht, um der Gestaltung
riner führenden Idee für die gesamte nationale Bewegung des Volles
zu dienen, seine eigenen Erfahrungen in diesem jungdeutschen Manifest
zusammenzufassen und im weiteren politischen Kampf zur Idee fort⸗
zuentwickeln.
1859