weil es im Zuge der Zeit lag, die sozialen Hemmungen des deutschen
Rechtes abzuschütteln. Der Grundsatz des deutschen Rechtes versinn⸗
bildlicht sich in dem Gesetz: Gemeiner Nutz geht vor sonderlichem Nutz!
Die Abkehr von dieser Grundlage deutschen Rechts—
empfindens schuf den undeutschen, unsozialen Herren—
standpunkt, welcher seine Blüte im fürstlichen Abso—
lutismus erlebte.
Unter der Voraussetzung deutschen Rechtsempfindens hatten sich
bereits in der karolinischen Zeit die wirtschaftlich Schwächeren in die
„Munt“ der Großen begeben. Sie traten damit ihre staatsbürgerlichen
Rechte an diese ab. Solange deutsches Rechtsempfinden über diese
Abhängigkeit wachte, war sie tragbar. Als aber dieses Rechtsempfinden
durch römische Begriffe abgelöst wurde, wurde die Abhängigkeit zur
wahren Sklaverei. In dieser Entwicklung wurde das deutsche Volk zu
einem Volke meinungsloser und willenloser Untertanen erniedrigt.
Die nationale Bewegung unserer Zeit muß eine soziale sein. Sie
muß infolgedessen für die Wiedergeburt eines Rechtes eintreten, welches
den Besitz mit sittlichen und sozialen Pflichten belastet.
Sie muß aber noch viel mehr dafür Sorge tragen,
daß die materialistischen Begleiterscheinungen des
Besitzes von der idealistischen Sendung der Führer—
schaft vollkommen getrennt werden.
Mit der Rückkehr zu den sittlichen Grundlagen der deutschen
Rechtsauffassung muß die nationale Bewegung unserer Zeit die soziale
Grundlage der kommenden Geschichtsepoche verankern.
Diese beiden Rückblicke auf die geschichtliche Entwicklung Deutsch—
lands erläutern die beiden grundsätzlichen Irrtümer, die dieser Ent—
wicklung zugrunde lagen und den Niedergang unseres Volkstums be—
bdingten. Diese beiden Irrtümer sprachen das Urteil über die Entwick
lung von Staat und Volk oder die Fragen der Führung und des
volksgemeinschaftlichen Lebens. Das Eindringen dieser wesensfremden
Grundsätze im Aufbau von Volk und Staat löste schon in der Ver—
gangenheit den völkischen Widerstand aus. Der völkische Widerstand
gegen diese Entwicklung zeigte sich in der Form nationaler Be—
wegungen. In ihrem geistigen Ursprung, in ihren Triebkräften, ihrem
Willen, ihrer Sehnsucht und in ihren Zielen drückt sich die traditionelle
57