Full text: Ansprachen und Vorträge

empfinde — auszuführen: Um was geht es bei der Neugestaltung 
unserer Handelspolitik. Ubermorgen beginnen im Reichstage die 
Debatten über die Zolltarifnovelle der Regierung. Heute und 
hier davon zu sprechen, bedeutet, durch eine Gefahrenzone hin⸗ 
durch zu gehen deshalb, weil naturgemäß in dieser Frage des 
Zolltarifs sich politische, im engeren Sinne parteipolitische Orien⸗ 
tierungen vollziehen und es mir nicht einfallen kann, nun in 
unserem Kreise diese Dinge zu einer programmatischen Stellung⸗ 
nahme zu treiben. Aber wir sind, wenn wir an die Export⸗ 
probleme herangeholt werden, gezwungen, von solchen „Aktuali— 
täten“ zu sprechen. Wir müßten sogar an mehreren Stellen 
davon reden, daß, wenn im Laufe der nächsten Wochen das Pro⸗ 
blem der Agrarzölle und der Eisenzölle in den Vordergrund der 
politischen und der wirtschaftlichen Erörterungen tritt, diese 
Dinge auch Teilerscheinungen dessen sind, was uns im engeren 
Sinne bewegt. Aber ich werde von Roggen und Weizen und 
Einfuhrscheinen, und von Weißblech- und Roheisen- und Stab— 
eisenzöllen nicht reden, sondern nur dies ausdrücken; die Gestal— 
tung dieser Zölle besitzt natürlich in der Rückwirkung auf die 
innere Preisgestaltung, in der Auseinandersetzung mit dem, was 
man die Kaufkraft des Volkes nennt, auch eine Bedeutung für 
die Kalkulationsunterlagen der verarbeitenden Industrie und die 
Aufnahmefähigkeit des kaufenden Publikums in Deutschland für 
feinere Arbeit. 
Lassen Sie mich zunächst den Versuch machen, den Vorkriegs— 
zustand mit den heutigen Dingen zu vergleichen, in einer kurzen 
Charakteristik. Der Vorkriegszustand kannte die jährlich steigende 
Statistik des Exports, das Hinausdringen der deutschen gewerb— 
lichen Ausfuhr in den allgemeinen Weltmarkt. Wir hatten für 
eine Reihe von Industrien — chemische, optische, auch elektrische 
und feinmechanische — in der Welt eine Art von Monopol— 
stellung bekommen. Wir hatten mit der Entwicklung unserer 
Exportkraft gleichzeitig die Möglichkeit gewonnen, auf unserm 
deutschen Boden eine stets zunehmende Bevölkerung zu beschäf— 
tigen und zu ernähren, wir waren Jahrzehnte lang kein Aus— 
wanderungsland mehr gewesen. Wir hatten volkswirtschaftlich 
14
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.