Full text: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Bildende Kunst und Musik. 
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musischen Kunst an irgendwelche speziellen gesellschaftlichen An— 
sprüche, seien es die des Adels, seien es die des Bürgertums, 
mit einem abgestreift erschien. Denn diese Symphonie zeigt 
nicht mehr in der herkömmlichen Weise typische Stimmungen 
ihrer einzelnen Sätze, deren Gefühlswert in Einzelheiten ja 
wechseln mochte, im ganzen aber festgelegt war: sondern ihr 
liegt ein einziger großer poetischer Plan zugrunde. Den Gang 
des Genius in dieser Welt der Unvollkommenheiten zu schildern, 
den heroischen Kampf um sein innerstes Dasein und dessen 
Auswirkung, den Augenblick des scheinbaren Unterliegens, dann 
aber doch freudigen Aufschwungs und endlichen Sieges in einer 
idealen Welt in Tönen darzustellen: das war die Aufgabe. 
Man weiß, wie überwältigend sie Beethoven gelöst hat. Wie 
setzt das Ganze elementar ein, fast lieblos im Ausdrucke, 
starr, die musikalischen Eindrücke wie Stahlblöcke geschleudert; 
wie durchdringen den Trauermarsch schrille Klage, grollende 
Trauer, und doch fromme Hoffnung auf den Sieg des Großen, 
kein Ton zuviel und kein Ton um des Tones halber: bis die 
späteren Sätze durch humoristische und parodistische Elemente 
hindurchdringen zur seligen Anschauung des Heldenwerkes und 
jubelnd die Lebensregel des Meisters verkünden: „Kraft ist die 
Moral der Menschen, die sich vor anderen auszeichnen, und sie 
ist auch die meinige.“ Bekannt ist, daß Beethoven die fertige 
Schönschrift des Manuskriptes der „Sinfonia eroica, composta 
per festeggiare il sovvenire di un grapd' uomo“ mit der 
Aufschrift „Buonaparte“ versehen hatte; daß er aber, als ihm die 
Nachricht wurde, Bonaparte habe sich zum Kaiser erklärt, in 
Wut geriet und ausrief: „Ist der auch nicht anders als ein 
gewöhnlicher Mensch!“ — an den Tisch ging, das Titelblatt 
oben anfaßte, bis unten durchriß und zur Erde schleuderte. 
Nach der ersten Aufführung der „Eroika“ im Januar 1805 
erschien unter den Berichten über sie der folgende. Die Sym— 
phonie „ist eigentlich eine sehr weit ausgeführte kühne und 
wilde Phantasie. Es fehlt ihr gar nicht an frappanten, schönen 
Stellen; sehr oft aber scheint sie sich ins Regellose zu ver⸗— 
lieren. Des Grellen und Bizarren ist zuviel, wodurch die
	        
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