Full text: Kritische Studien zum wirtschaftlichen Problem des Zwei- und Dreischichtensystems in Hochofenbetrieben

— ADD — 
„Den Betriebsverhältnissen ist gegenübergestellt die 
Arbeitsintensität des Arbeiters, die als abhängig zu 
betrachten ist von seiner Leistungsfähigkeit und 
seinem Arbeitswillen“!), Wenn auch bereits aus- 
geführt wurde, daß die „Arbeitsintensität“ der "Arbeiter 
im Hochofenbetrieb keine direkten Wirkungen auf die ab- 
solute Veränderung der Ausbringung erzielen kann (s. S. 47), 
so sind doch innerhalb der durch den Ofenprozeß gezogenen 
Grenzen ihre bestimmten Einflüsse möglich und feststellbar. 
Der Arbeitswille war auch hier in der Nachkriegszeit 
mehr auf Streckung der Arbeit als auf Höchstleistung ge-‘ 
richtet, indem z. B. die Einführung der Achtstundenschicht: 
als Demobilmachungsmaßnahme wie ein willkommenes Ge- 
schenk hingenommen wurde, ohne daß man sich „der Not- 
wendigkeit einer Gegenleistung in Gestalt höheren Arbeits- 
willens“ ?) bewußt war. Der Wille zur Höchstleistung ist 
aber Voraussetzung für eine Rationalisierung der Betriebs- 
führung wie für den Erfolg einer rationellen Betriebs- 
gestaltung, beides Vorbedingungen für eine günstige 
Wirkung verkürzter Arbeitszeit. 
Andere psychologische Wirkungen, von denen der 
Arbeitswille wie die Leistungsfähigkeit des Arbeiters ab- 
hängig waren, gehen von der verschiedenen Gestaltung 
der Lohnverhältnisse vor und nach dem Kriege aus. 
Die Löhne waren hier in der‘ Vorkriegszeit zwar sehr 
niedrig, jedoch gestattete eine ganz besondere Wohlfeilheit 
der Lebensverhältnisse der Landschaft, in der sich das 
Hochofenwerk befindet, dem Arbeiter ein auskömmlicheres 
Leben als in der Nachkriegszeit, wo: der Lohnsatz selbst 
unter Abrechnung der Geldentwertung höher lag, aber aus 
besonderen Gründen eine erhebliche Verteuerung der Lebens- 
haltung in der umliegenden Gegend einsetzte. Die Lohn- 
1) Lipmann, Das Arbeitszeitproblem (1. Auflage), A 34. 
2) Lipmann (2. Auflage), S. 34.
	        
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