5. Kap. Fortschritt in der Productionsmethode.
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die rationellste Ausbeutung der auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Be
triebes gemachten Fortschritte, und es bleibt in dieser Hinsicht auch in den
hoch cultivirten Ländern Europas, in Deutschland, Frankreich u. s. w., noch
viel zu thun übrig. Es ist da den verschiedenen Arten der Genossen-
schaften nicht nur bezüglich des Credites und des landwirtschaftlichen Unter
richtes, sondern vor allem auch in betreff des gemeinschaftlichen Samen-
und Düngereinkaufs, der gemeinsamen Benutzung landwirtschaftlicher Ma
schinen und der gemeinsamen Verwerthung der Erzeugnisse durch Errichtung
von genoffenschaftlichen Verkaufshallen für Gemüse, Milch, Butter u. s. w.,
durch Einrichtung gemeinschaftlicher Käsereien u. dgl. ein weiter Spielraum
vorbehalten. Ueber den Einfluß, den eine gute Creditorganisation in wirt
schaftlicher und socialer Hinsicht ausübt, wird später zu handeln sein. Hier
sei beispielsweise auf den Nutzen hingewiesen, welchen die vor einigen
fahren staatlicherseits ins Leben gerufenen landwirtschaftlichen Bezirksgenossen
schaften in Tirol und Oberösterreich, mit je einem Landesculturrath an der
Spitze, gestiftet haben. Der Beitritt zu diesen Genossenschaften ist facultativ;
şie besorgen den gemeinschaftlichen Einkauf von Sämereien, Kunstdünger
u. dgl. mit gutem Erfolg. Die staatliche Intervention, die ohne Beitritts
zwang dafür sorgte, daß solche Vereinigungen den intelligenten Landwirten
allenthalben zur Verfügung stehen, hat sich auf diesem Gebiete und in diesen
Grenzen heilsam erwiesen. Auch in Frankreich haben sich die durch das
Gesetz vom Jahre 1884 über die gewerblichen Vereine ermöglichten land
wirtschaftlichen Syndicate, welche die Rechte der juristischen Persönlichkeit ge
nießen, bestens bewährt. Ihr Wirken ist ein ähnliches wie das der Ge-
noffenschaften in den soeben genannten Ländern, und im Jahre 1890 belief
sich ihre Anzahl bereits auf 888. Bezüglich Deutschlands branchi nur an
die großartigen Bauernvereine, wie den Westfälischen, den Bayerischen u. s. w..
erinnert zu inerden, die allerdings mehr -entralisirte Organisationen sind und
sich sur die Förderung gewisser technische» Fortschritt- der «grieuttur und der
iehzucht weniger eignen als kleine locale Vereinigungen, an die sich dann
auch in gewissen Grenzen ein gemeinsamer Geschäftsbetrieb der Genossen leicht
anschließen läßt. Ein erfolgreiches Beispiel eines solchen Betriebes bietet z. B.
ber gemeinsame Verkauf des producirten Weins durch Kellereigenossenschaften,
wie sie in Frankreich und in Tirol mit Nutzen wirken. Solche Veranstal
tungen sind von der größten Wichtigkeit, denn von ihnen hängt in der That
ber Fortbestand des landwirtschaftlichen Mittelstandes ab. Aber auch der
landwirtschaftliche Großbetrieb ist vielfach und namentlich in gewissen Ländern,
wo sich weit ausgedehnte Latifundien vorfinden, der wichtigsten Verbesserungen
bedürftig. Was eine vollkommen rationelle Betriebsweise noch für Resultate
erwarten läßt, und zwar selbst in einem zu den höchst civilisirten Ländern zu